Premiere: Bionisches Auge implantiert

Gesund / 10.07.2015 • 11:35 Uhr

Die Operation wurde in der Wiener Rudolfstiftung durchgeführt.

Wien. Erstmals ist in Österreich ein bionisches Auge, ein sogenannter epiretinaler Augenchip, erfolgreich implantiert worden. Das Retinarprothesesystem habe seine erste Funktion bereits aufgenommen, die 55-jährige Patientin könne erste Lichtreize wahrnehmen, sagt KAV-Sprecher Christoph Mierau.

„Die Operation am Auge dauerte etwas mehr als drei Stunden und verlief ohne Komplikationen“, berichtet Susanne Binder, Vorstand der Augenabteilung in der Rudolfstiftung des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV). Sie hat die Blinde mit einem sechsköpfigen Team operiert. „Unserer Patientin steht noch ein längerer Lernprozess sowie Justierungen der Systemsoftware bevor.“

Videos und Live-OP

Weltweit hat es demnach erst rund 140 derartige Operationen gegeben, die zu den schwierigsten Eingriffen am Auge gehören. Binder hat sich die Spezialkenntnisse dieser Chip-OP über chirurgische Videos und während einer Live-OP in Florenz angeeignet. Zudem verfügt sie über jahrzehntelange chirurgische Erfahrung – besonders im Bereich der Netzhautchirurgie.

Das bionische Auge funktioniert vereinfacht so: In einer Spezialbrille ist eine Videokamera eingebaut, die Bilder zu dem auf der Netzhaut angebrachten Chip funkt. „Dieser Chip stimuliert die restlichen in der inneren Netzhautschicht intakten Nervenzellen des Auges, die dann die Reize über den Sehnerv ans Gehirn weiterleiten“, erläutert Binder.

Ziel ist es, dass die Patienten künftig Schatten, Menschen-Silhouetten, Gehsteigkanten, etc. erkennen, damit sie sich auch außerhalb ihrer gewohnten Umgebung besser orientieren und bewegen können. Für diese Operation kommen lediglich Menschen infrage, die sehend aufwuchsen, dann aber an einer Degeneration der äußeren Netzhaut erkrankten und erblindeten.