Kompetenz gegen Burn-out

Gesund / 21.03.2014 • 11:03 Uhr
Eingespannte Führungskräfte, die ihre persönlichen Quellen der Gesundheit versiegen lassen, sind deutlich anfälliger für Erschöpfungszustände.
Eingespannte Führungskräfte, die ihre persönlichen Quellen der Gesundheit versiegen lassen, sind deutlich anfälliger für Erschöpfungszustände.

Studenten der Uni Konstanz lieferten eine aufschlussreiche Untersuchung.

Feldkirch. (VN-mm) Mit 44 ist Cornelia Matt im Vergleich zu ihren Studienkollegen kein Jungspund mehr. Erst spät hat sich die Feldkircherin entschlossen, die Studienberechtigungsprüfung zu absolvieren und an der Universität Konstanz Psychologie zu studieren. Mittlerweile ist Matt auf dem besten Weg zum Bachelor. In diesem Zusammenhang wirkte sie auch an einer Studie mit, welche die Gesundheitskompetenz von Führungskräften untersuchte. Das Ergebnis: Manager mit hoher Gesundheitskompetenz gaben klar weniger Symptome von Erschöpfung und Burn-out an als andere.

Insgesamt wurden 59 Unternehmer und Führungskräfte aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zum Thema Burn-out befragt. Nach Meinung von Cornelia Matt wird Burn-out noch viel zu häufig als Modeerscheinung abgetan. „Mit der Untersuchung wollen wir Unternehmer und Führungskräfte wachrütteln, die eigene und die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten“, betont Matt den Wert der 20-seitigen Expertise.

Belastungen nehmen zu

In der Arbeitswelt herrscht zunehmender Stress. In immer kürzeren Abständen werden von Krankenkassen, Versicherungsträgern und Universitäten Gesundheitsberichte sowie Forschungsergebnisse veröffentlicht, die einhellig darstellen, dass Stress und psychische Belastungen zugenommen haben. In Deutschland etwa etablierten sich Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen inzwischen auf Platz drei der Krankheitsursachen. Tendenz steigend. Als Grund für Frühpensionen liegen sie bereits an der Spitze.

Belastungen werden laut Studienbetreuer Dr. Norbert Lenartz dann zum Problem, wenn sie die Fähigkeiten des Einzelnen, damit umzugehen, dauerhaft überschreiten. „Beruflicher Stress nimmt überhand, wenn die Quellen einer guten Gesundheit versiegen“, konkretisiert Lenartz. Die WHO hat dazu den Begriff der Gesundheitskompetenz geprägt. Er zielt auf die Fähigkeiten eines jeden ab, unter verschiedenen Lebensumständen die eigenen Ressourcen guter Gesundheit zu erhalten.

Individuelle Fähigkeiten

Ein zentraler Befund seiner an der Uni Konstanz gemeinsam mit den Studierenden erarbeiteten Studie ist, dass Manager mit hoher Gesundheitskompetenz deutlich weniger Symptome von Erschöpfung und Burn-out zeigen. Dabei tritt nicht Wissen zu Gesundheitsthemen als wichtigster Einflussfaktor hervor. Es sind die individuellen Fähigkeiten im Umgang mit eigenen Gefühlen, Gedanken und Zielen, die sich als bedeutsam erweisen. „Diese Regulation innerer Zustände, die auf einer guten Wahrnehmung seiner selbst beruht, ermöglicht es Managern, sich auch unter schwierigen Bedingungen Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten“, erklärt Lenartz. Wer es schafft, unter Stress aktiv Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen und entsprechend handelt – wer also der eigenen Gesundheit eine Priorität gibt –, wirkt Erschöpfung und Burnout entgegen.

Positive Effekte

Die Studie liefert auch Hinweise darauf, wie diese positiven Effekte zustande kommen. Während bei Managern mit geringer Gesundheitskompetenz grundlegende psychologische Bedürfnisse kaum erfüllt werden, ist diese Bedürfnisbefriedigung bei hoher Gesundheitskompetenz deutlich besser. Vertrauensvolle Beziehungen und das soziale Eingebunden-Sein, ein hohes Maß an persönlicher Integrität und das Gefühl, Einfluss über sich und sein Leben zu haben, sind wichtige Bedingungen für persönliches Wohlbefinden.

Handlungsspielräume nutzen

Manager werden oft als Treiber der ungünstigen Bedingungen wahrgenommen, an denen sie dann selbst leiden. „Wenngleich die Situation im Unternehmen komplexer und die Handlungsmöglichkeiten von Managern in der Regel begrenzt sind, ist dieses Argument nicht ganz von der Hand zu weisen“, bestätigt Dr. Norbert Lenartz. Führungskräfte könnten dazu beitragen, dass ihre eigene Arbeit, aber auch die ihrer Mitarbeitenden, weniger von Stress geprägt sei. Die Übernahme von Verantwortung für die Gesundheit kann, so Lenartz, der Startpunkt sein, von dem aus die eigenen Lebenswelten und die der Beschäftigten verbessert werden. „Auf dieser Basis bieten sich vielfältige Möglichkeiten, effektiv und professionell zu handeln“, betont der Gesundheitsexperte.

Bericht zur Studie unter www.workingwell.de/aktuelles/