Es geht also auch anders
Es stimmt schon, viel an Winter auszutreiben gab es heuer nicht. Aber deshalb den Funkensonntag abzusagen, wäre wohl ebenfalls kaum im Sinne des Erfinders gewesen. Also haben die Funkenfeuer wieder gelodert. Und zuweilen auch kräftig nachgebrannt.
In Bludenz etwa, wo sich Funkenzunft und Historiker wegen eines Datums in den Haaren gelegen sind. Da soll dann, darf unvoreingenommenen Funkenbesuchern geglaubt werden, an besagter Brauchtumsveranstaltung noch einmal ordentlich Öl ins Feuer gegossen worden sein. Auf rein verbale Art, versteht sich. Worte als Brandbeschleuniger sozusagen.
Vielen Leuten wird dieser Streit um Gründungsjahre vermutlich läppisch vorkommen. Es sollte doch darum gehen, eine Tradition zu pflegen und Spaß daran zu haben. Der Ordnung halber sei angemerkt, dass es an dem auch in Bludenz nicht gemangelt hat. Und klammert man die Untergriffe einmal aus, zeitigte das Funkentreiben in der Alpenstadt sogar Positives, blieb der Hexe doch das bittere Ende erspart. Stattdessen brannten Strohbündel. Schlechter stand der Funken deshalb aber nicht da.
Traditionen müssen nicht auf ewig in dem, wie sie über Jahrhunderte zelebriert wurden, einzementiert sein. Sie dürfen ruhig ein bisschen mit der Zeit gehen und hin und wieder entstaubt werden.
Vielleicht macht das Beispiel von Bludenz ja Schule. Dann hätte der unselige Zank doch noch etwas Gutes hervorgebracht. Mir jedenfalls hat der Zausel da oben auf dem Holzturm gar nicht schlecht gefallen.
marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at
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