Das Beste ist für die Augen gut genug

Gesund / 14.03.2014 • 09:55 Uhr
Der Vortrag von Primar Stefan Mennel sorgte für einen wahren Besucheransturm.  Fotos: vn/Paulitsch
Der Vortrag von Primar Stefan Mennel sorgte für einen wahren Besucheransturm. Fotos: vn/Paulitsch

Patienten in Vorarlberg stehen neueste Medikamente und Geräte zur Verfügung.

feldkirch. (VN-mm) Über 5800 Operationen hat die Augenabteilung im LKH Feldkirch im vergangenen Jahr durchgeführt. Zum Vergleich: 2006 waren es knapp 3000 Eingriffe. Dennoch gibt sich Primar Stefan Mennel mit dieser Steigerung nicht zufrieden. Er will durch mehr Operationen die Wartezeiten für Patienten, die inzwischen von einem Jahr auf gut sechs Monate gedrückt werden konnten, noch stärker reduzieren. Das war eine Botschaft, die er den Besuchern des Mini Med Studiums vermittelte. Die andere: Es gibt auch medizinisch viel Neues, um das Sehvermögen jenseits der 50 zu erhalten bzw. zu verbessern.

Ein neuer OP-Saal

Wie wichtig den Menschen gutes Sehen ist, zeigte der enorme Andrang zum Vortrag. Der Panoramasaal im LKH Feldkirch vermochte die vielen Zuhörer kaum zu fassen. Sie brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen. In ebenso spannenden wie leicht verständlichen Worten erläuterte Stefan Mennel die häufigsten Augenerkrankungen sowie aktuelle Therapien dazu. Dabei wurde auch spürbar, wie sehr ihm an einer bestmöglichen und vor allem schnellen Behandlung seiner Patienten gelegen ist. Mit sichtlicher Freude berichtete er davon, dass seine Abteilung in spätestens ein bis zwei Monaten einen neuen OP-Saal erhalten wird. Auch für die bei einer feuchten Makuladegeneration erforderliche Spritzenkur steht nach einem Umbau nun ein separater Raum zur Verfügung. „Das bedeutet für die Patienten eine enorme Erleichterung, weil sie weniger lange dran sind“, so Mennel.

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine häufige Erkrankung. Dabei kommt es an der Stelle des schärfsten Sehens zu Veränderungen, die eine spürbare Sehverschlechterung auslöse. Die Medizin unterscheidet zwischen trockener und feuchter Makuladegeneration. Während die trockene AMD relativ harmlos ist, führt die feuchte AMD unbehandelt schnell zu Problemen. Der Grund: Die Netzhaut schwillt an, es kann Blutungen oder Narben geben. „Ohne Makula können wir nicht mehr lesen, uns aber noch orientieren“, betonte Mennel. Deshalb mag er den oft verwendeten Begriff von der „Altersblindheit“ nicht. Denn: „Eine Makuladegeneration führt nicht zur Erblindung.“

Wellen statt Linien

Rasch behandelt gehört sie jedoch allemal. Ob eine feuchte AMD droht, kann jeder anhand eines Gittermusters selbst testen. „Werden die geraden Linien beim Betrachten zu Wellen, ist es Zeit, den Augenarzt aufzusuchen“, lautete der Rat des Experten. Im Frühstadium lässt sich mit Nikotinabstinenz und gesunder Ernährung noch einiges an Sehverschlechterung aufhalten. Danach braucht es andere Geschütze. Wobei es inzwischen auch hier deutliche Verbesserungen gibt. Seit 2006 steht ein Medikament zur Verfügung, das unter lokaler Betäubung direkt in die Makula injiziert wird. „Damit können wir bei den meisten Patienten die Sehkraft stabilisieren, ja mitunter sogar verbessern“, sagte Stefan Mennel. Außerdem muss die Therapie nur noch alle zwei Monate erfolgen.

Pro Woche werden im LKH Feldkirch 30 bis 40 Patienten mit feuchter AMD behandelt. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 1920 Betroffene. 2006 lag diese Zahl noch bei 23. Laut Mennel werden diese Eingriffe aufgrund der höheren Lebenserwartung weiter zunehmen.

Getrübte Linse

Eine andere Erkrankung, die dem Auge mit dem Alter zusetzt, ist der graue Star. Dabei kommt es zu einer Trübung der Augenlinse. Diese Veränderung setzt ab dem 40. Lebensjahr ein. In solchen Fällen hilft nur eine Operation. Die Eintrübung muss entfernt werden. Dies geschieht durch den Einsatz einer neuen Linse. Der Eingriff wird vornehmlich tageschirurgisch durchgeführt. Zur Betäubung sind nur noch Tropfen erforderlich, die Patienten schnell wieder mobil. Dank Laserunterstützung lässt sich das Einsetzen der Linsen zudem sehr präzise steuern.

Netzhautablösungen waren ebenfalls ein Thema. Jährlich werden im LKH Feldkirch 50 bis 60 Eingriffe durchgeführt, bei denen die Netzhaut wieder angelegt wird. Warnsymptome, die den Gang zum Augenarzt rechtfertigen, sind Lichtblitze, fliegende Mücken und eine deutliche Sehminderung.

Einfache Untersuchung

Seit drei Monaten verfügt die Augenabteilung des LKH Feldkirch über einen Laser, mit dem Netzhautdefekte schneller und laut den Patienten „angenehmer“ behoben werden können. Weiters sorgte Primar Mennel dafür, dass ein neues, ca. 3000 Euro teures Medikament, das bei Ablösungen des Glaskörpers von der Netzhaut eine Operation ersetzen kann, auch hierzulande schon verfügbar ist. Eine ebenfalls relativ neue Diagnosemöglichkeit stellt die Tomografie der Netzhaut dar. „Mit dieser einfachen Untersuchung werden Veränderungen sichtbar, die wir früher nicht erkannt haben“, erklärte Mennel den Vorteil.

Zwecks Qualitätssicherung stellt sich die Augenabteilung immer auch dem Vergleich mit anderen Kliniken. Und da schneidet sie durchwegs gut, teilweise sogar besser ab.

Zum Augenarzt

» regelmäßig ab dem 40. bzw. 45. Lebensjahr

» bei Augenerkrankungen in der Familie

» bei Diabetes, Bluthochdruck und anderen Gefäßerkrankungen

» bei akuten Beschwerden wie Schmerzen und plötzlicher Sehverschlechterung