Wo die Menschen leisetreten

Im Krankenhaus Dornbirn wurde dem Lärm in den OP-Bereichen der Garaus gemacht.
Dornbirn. (VN-mm) Schuhe quietschen, Türen schwingen auf und zu, Metall klirrt, Leute reden durcheinander, Handys scheppern und Maschinen surren: Wer sich jetzt in einer Montagehalle wähnt, der irrt. Tatsächlich ist diese Geräuschkulisse alltägliche Begleitmusik in einem Operationssaal. „Allein das Öffnen einer Packung mit sterilen Handschuhen verursacht eine Lärmbelastung von 76 Dezibel (dB)“, verdeutlicht Markus Schmid, Anästhesiepfleger im Krankenhaus Dornbirn. Dort sind die Lärmquellen inzwischen mehr oder minder versiegt. Dort treten die Menschen bewusst leise. Und das Projekt „Der ruhige OP“ zeigt bereits messbare Erfolge.
Alle vier Minuten eine Störung
Im Krankenhaus Dornbirn werden jährlich rund 6500 Patienten operiert. Mindestens zehn Personen begleiten jeden Eingriff. „Es herrschte eine permanente Unruhe“, erzählt Markus Schmid. Dazu kamen Maschinen, die das Ganze noch verstärkten. Gestört hat der Lärm laut Anästhesiepfleger vor allem bei der Vorbereitung der Patienten auf die Narkose und während der Aufwachphase. So haben Messungen eine Lärmbelastung während des Einschlafens von bis zu 90 dB und beim Aufwachen von bis zu 80 dB ergeben. Aber: „Der Patient soll ruhig einschlafen und ruhig wieder aufwachen können“, so Schmid.
Also hat er gerechnet. Was herauskam erstaunte. Da erbrachten 1066 OP-Stunden nicht weniger als 264 Störungen. „Macht alle vier Minuten eine Störung, die Patienten wie Personal ablenken kann“, bringt Markus Schmid die Problematik auf den Punkt. Zudem wirkt sich Lärm offenbar auch direkt auf die Befindlichkeit der Patienten aus. „Diesbezügliche Untersuchungen des Spitals in Basel haben ergeben, dass es bei Lärm zu mehr Wundheilungsstörungen kommt“, erklärt Primar Dr. Harald Sparr, Leiter der Anästhesie und Intensivmedizin im KH Dornbirn. Wissend darum, unterstützte er die Bemühungen von Markus Schmid nach einer Verbesserung der Situation.
Anonyme Lärmmessungen
Gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement wurde vor einem Jahr das Projekt „Der ruhige OP“ angegangen. Was zuerst hieß, die Lärmquellen ausfindig machen. Zu diesem Zweck führte die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) anonyme Lärmmessungen durch. Die Ergebnisse in den einzelnen OP-Sälen fielen recht unterschiedlich aus. Während etwa im Unfall-OP der Lärmpegel zwar hoch, aber relativ gleichmäßig und deshalb weniger belastend ist, pendelt er im Orthopädie-OP zwischen störenden 60 bis 100 dB. Auch die Kommunikation stellte sich als nicht zu unterschätzender Lärmfaktor heraus. „Vier Personen bringen es redend auf 74 Dezibel“, konkretisiert Markus Schmid. Mit 95 dB noch mehr Krach macht eine blecherne Nierentasse, wenn sie auf den Boden knallt. Genug Gründe, nach Lösungen zu suchen.
Stilles Übereinkommen
So wurde unter anderem eine Lärmampel aufgestellt und die Krankenhausleitung mit 80 Verbesserungsvorschlägen bedacht. Plakate sollten die Kollegenschaft sensibilisieren. Jetzt befindet sich das Vorhaben auf gutem Weg. „Das Bewusstsein für die Thematik ist besser geworden“, bestätigt Harald Sparr. Und ergänzt schmunzelnd: „Die Chirurgen kommen nicht mehr telefonierend in den OP.“ Auch bei der Vorbereitung eines Patienten besteht im wahrsten Sinne des Wortes ein stilles Übereinkommen. Sobald es heißt „Wir leiten ein“ herrscht Ruhe. „Das ist in den Köpfen drinnen“, freut sich Markus Schmid. Außerdem belegen Vergleichsmessungen die Wirksamkeit der Maßnahme. Beim Einleiten und Aufwachen konnte eine Reduktion des Lärms von 75 auf 54 dB erreicht werden.
Mittlerweile hat sich auf dem Bausektor ebenfalls einiges an Weiterentwicklung getan. Neue Operationssäle werden heutzutage fast ausnahmslos mit schallabsorbierenden Materialien ausgestattet. Darauf hofft auch Primar Harald Sparr, wenn im kommenden Jahr tatsächlich der Umbau des OP-Trakts starten soll.
Die Chirurgen kommen nicht mehr telefonierend in den OP.
harald Sparr