Das Hormon-Chaos gut bewältigen

Bei den Wechseljahren spielt auch die mentale Einstellung eine große Rolle.
Feldkirch. (VN-mm) Das Leben ist Veränderung, vom Anfang bis zum Ende, und die Wechseljahre der Frau sind Teil dieser Veränderung. „Das reifere Lebensalter bringt andere Fähigkeiten. Es gilt, sich dieser bewusst zu werden. Gehen Sie selbstbewusst in die neue Lebensphase“, appellierte Primar Dr. Michael Rohde auch ein bisschen an den Stolz der Frauen, sich vom hormonellen Chaos nicht unterkriegen zu lassen. Denn die mentale Einstellung spiele ebenfalls eine große Rolle, so der Gynäkologe. Zudem lassen sich Wechseljahrbeschwerden heutzutage gut behandeln.
Schlanke leiden mehr
Das Thema ist nicht neu. Dennoch scheint nach wie vor Bedarf an guter Information gegeben. Darauf lässt das große Besucherinteresse schließen, das der vorletzten Mini Med-Veranstaltung im Herbstsemester beschieden war. Die Referenten, Primar Dr. Michael Rohde (LKH Bregenz) und Primar Dr. Stefan Rimbach (LKH Feldkirch), enttäuschten das vorwiegend weibliche Publikum nicht. Fundiert, aber auch humorvoll erläuterten die Frauenfachärzte, was im Wechsel passiert und wann medizinisches Eingreifen nötig wird.
Die meisten Frauen kommen mit etwa 50 Jahren in den Wechsel. Das heißt, die Eierstöcke reduzieren sukzessive die Ausschüttung der für alles Weibliche zuständigen Hormone Östrogen und Progesteron. Hormone sind Stoffe, die in Drüsen produziert werden, über das Blut in das Gewebe und die Organe gelangen und dort entsprechende Reaktionen auslösen.
Krebsvorsorge ernst nehmen
Ein Hormonmangel ist es auch, der zum sogenannten „Wechsel“ führt. Zu den ersten Symptomen zählt die unregelmäßig werdende Monatsblutung. In weiterer Folge können Hitzewallungen, Herzrasen, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, Scheidentrockenheit sowie Veränderungen der Haut, des Gewichts und der Figur auftreten. „Zwischen 45 und 55 ist eine Gewichtszunahme von 5 Kilo normal“, beruhigte Michael Rohde die Zuhörerinnen. Außerdem erleichtern „ein paar Pölsterchen“ den Übergang, da im Fett noch Östrogene produziert werden. Deshalb leiden extrem schlanke Frauen laut Rohde häufiger und stärker an Wechselbeschwerden.
Er betonte auch, dass der Wechsel keine Krankheit darstellt, jedoch das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöht. Osteoporose etwa ist eng mit dem Wechsel verbunden. Gleiches gilt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Änderung des Lebensstils hin zu regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung kann hier vorbeugend wirken. Auch der Krebsvorsorge muss, so Michael Rohde, deutlich mehr Augenmerk geschenkt werden.
Hormoneinsatz mit Bedacht
Zu einer Therapie raten die Mediziner, wenn die Belastungen durch einschlägige Beschwerden die Lebensqualität und den Alltag beeinträchtigen. „Hilfe aus der Natur“ bieten beispielsweise Mönchspfeffer und Rotklee. „Diese Substanzen haben hormonähnliche Eigenschaften, mit denen sich einiges an Besserung erreichen lässt“, erklärte der Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe im LKH Bregenz. Was die nach diversen Studien in Verruf geratene Hormontherapie betrifft, sagt Rohde zwar „Ja“ dazu, aber nur, wenn ein Behandlungsgrund vorliege. Dann sollte so wenig wie nötig gegeben und ein weiterer Bedarf jährlich überprüft werden. Denn: „Irgendwann sollte die Frau mit den niedrigen Hormonspiegel leben können.“ Bis 5 Jahre in der passenden Dosis mache eine Hormontherapie keine Probleme. Das Richtige zu finden, sei Aufgabe des Arztes. Keinesfalls dürften Hormone unkritisch angewendet werden, mahnte Michael Rohde.
Allerdings ist es nicht immer mit Hormonen, Ernährung oder Bewegung getan. Das Nachlassen der Hormonproduktion in den Eierstöcken kann durchaus auch krankhafte Veränderungen mit sich bringen. So können sich unter anderem Zysten, Schleimhaut-Polypen und Myome bilden. „Eine Zyste verschwindet meist wieder von selbst. In solchen Fällen lohnt es sich, mit einem operativen Eingriff zuzuwarten“, sagte Primar Stefan Rimbach. Wird eine Zyste jedoch zu groß, muss frühzeitig operiert werden. Was das heißt, veranschaulichte Rimbach an einer über 100 Kilo schweren Riesenzyste. Er selbst hatte es auch schon einmal mit einer 80-Kilo-Zyste zu tun.
Behandlungsbedarf besteht laut Rimbach ebenso bei starken Blutungsstörungen, da sie Eisenmangel verursachen. Bei diesem ambulanten Eingriff wird die Schleimhaut verödet. Auch entfernt werden müssen Schleimhaut-Polypen. Sie sind zwar meist gutartig, in 10 Prozent der Fälle jedoch Verursacher von Gebärmutterkrebs.
Gebärmuttererhaltende OP
Bei Myomen, das sind gutartige Geschwülste in der Gebärmutter, hilft ebenfalls nur eine Entfernung. Sind mehrere Myome vorhanden, versucht Stefan Rimbach trotzdem gebärmuttererhaltend zu operieren, in dem nur der kranke Teil der Gebärmutter herausgenommen wird. Der neue Leiter der Gynäkologie hat diese Methode im LKH Feldkirch eingeführt. Weitere behandlungsbedürfte Beschwerden sind eine trockene Vaginalhaut, weil sie anfällig wird für Infektionen, sowie Blasen- und Beckenbodenschwächen.

