Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Schönes Neujahr

Gesund / 03.01.2014 • 11:48 Uhr

Ich mag den Neujahrstag. Nicht, weil ich schadenfroh auf jene blicke, die sich mit einem behäbigen Kater abmühen, während mein Kopf kristallklar wie ein Gebirgsbach ist. Das wäre vermessen, denn es findet sich vermutlich in fast jeder Biografie eine sogenannte „wilde Zeit“. Da muss man nur mit älteren Jahrgängen reden. Auch früher ging zum Jahreswechsel die Post ab. Von daher hat sich nicht allzu viel geändert.

Ich mag die Neujahrstage, weil die Ruhe nach dem nächtlichen Rummel so unheimlich gut tut. Fast zum Greifen ist die Beschaulichkeit, die sich über das Land und die Menschen senkt, drinnen und draußen. Im Haus ist der Partylärm verebbt, denn der Schlaf hat endlich auch die scheinbar nimmermüde Jugend ereilt. So schnell wird da niemand mehr zu sehen und schon gar nicht zu hören sein. Nur die Alten sind bereits auf den Beinen, huschen auf leisen Sohlen durch die Gemächer und lassen die Stille auf sich wirken. Bloß niemanden wecken, der mit muffeligem Brummen Löcher in diese samtene Idylle reißt.

Auch draußen umfängt einen lustvolle Trägheit. Fast leere Straßen, kaum Menschen unterwegs, höchstens ein paar Kirchgänger haben sich aus dem Bett geschält. Fast schon besinnlich mutet die Szenerie an. Hast und Eile sind der Langsamkeit gewichen. Die Welt ist müde vom Feiern. Das darf sie sein. Das Jahr ist schließlich noch lang. Da schadet ein bisschen Muße am ersten Tag nicht. Aus welchen Gründen auch immer man ihr anheimgefallen ist . . . Schönes Neujahr.

marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at