Weihwasser und „heilige“ Quellen oft verunreinigt

Gesund / 20.09.2013 • 10:57 Uhr
Sogar beim Weihwasser heißt es jetzt aufpassen. Foto: fotolia
Sogar beim Weihwasser heißt es jetzt aufpassen. Foto: fotolia

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Hygiene der MedUni Wien.

vorsicht. Wasser aus sogenannten heiligen Quellen in Österreich ist fäkal sowie durch Nitrate verunreinigt und besitzt keine Trinkwasser-Qualität. Weihwasser in Kirchen und Spitalskapellen weist bakterielle Belastungen auf. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie der MedUni Wien.

Wie im Mittelalter

Das Team um den Mikrobiologen Alexander Kirschner analysierte die Wasser-Qualität in insgesamt 21 „heiligen“ Quellen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland sowie 18 Weihwasserbecken in Kirchen und Spitalskapellen in Wien zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Resultat: Nur 14 Prozent der Wasserproben aus den Quellen wiesen keine fäkale Belastung auf, keine der untersuchten Quellen konnte als Trinkwasser empfohlen werden.

Neben Fäkalindikatoren wie E-coli-Bakterien und Enterokokken seien auch Campylobacter nachgewiesen worden, die entzündliche Durchfälle auslösen können, hieß es. Viele der Quellen seien außerdem durch Nitrate aus der Landwirtschaft belastet gewesen. „Wir müssen daher davor warnen, aus diesen Quellen zu trinken“, erklärte Kirschner. Ratsam wäre es laut MedUni für Gemeinden und Pfarreien, Warnschilder aufzustellen und auf die Historie „heiliger“ Quellen hinzuweisen. Denn die ihnen zugeschriebene heilsame Wirkung basiere auf den hygienischen Gegebenheiten im Mittelalter.

Kirschner: „Damals war die Wasserqualität in den Städten generell so schlecht, dass die Menschen deswegen ständig Durchfall- oder andere dadurch ausgelöste Krankheiten hatten. Wenn sie dann im Wald bei einer geschützten, nicht so belasteten Quelle über mehrere Tage Wasser tranken, verschwanden ihre Symptome. Damals tranken sie sich dort gesund, heute ist es angesichts unserer exzellenten Trinkwasserqualität genau umgekehrt.“

Das untersuchte Weihwasser war durchwegs extrem bakteriell belastet. „In einem tausendstel Liter wurden bis zu 62 Millionen kultivierbare Bakterien gefunden“, sagte Alexander Kirschner. Auch Fäkalbakterien – etwa durch mangelnde Hygiene nach dem Toiletten-Besuch – wurden nachgewiesen. „Je frequentierter die Kirche, desto mehr Bakterien. Das könnte vor allem in Spitälern ein bis dato unbeachtetes Problem darstellen, da hier viele Personen mit geschwächtem Immunsystem sind“, wurde der Experte in einer Mitteilung der MedUni Wien zitiert.

Weihwasser öfter austauschen

Lösungsansätze für eine hygienischere Nutzung von Weihwasser und „heiligen“ Quellen gibt es: So hat ein italienischer Priester schon vor einigen Jahren einen Weihwasser-Spender erfunden, der tropfenweise Wasser abgibt. Frühere Studien haben zudem gezeigt, dass ein höherer Salzgehalt (empfohlen werden 20 Prozent) die Vermehrung der Bakterien stoppt.

Als zuverlässiges Desinfektionsverfahren kann die Salzzugabe allerdings nicht angesehen werden, betonte Alexander Kirschner. Der Mikrobiologe rät vielmehr zum rechtzeitigen Austausch des Weihwassers in den Kirchen, das bekanntlich ausschließlich in der Osternacht gesegnet wird.