Neue Technologie für Herz-Patienten am LKH

Gesund / 13.09.2013 • 10:48 Uhr
Bei einigen Patienten am LKH Feldkirch wurde der neue „Absorb“-Stent bereits eingesetzt. Foto: VN/Hofmeister
Bei einigen Patienten am LKH Feldkirch wurde der neue „Absorb“-Stent bereits eingesetzt. Foto: VN/Hofmeister

Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen: Medizinische Implantate lösen sich im Körper auf.

Feldkirch. Herzkrankheiten, die Herzinfarkte zur Folge haben, führen die Gesundheitsstatistiken unserer Wohlstandsgesellschaft an. Mit dem neuen „Absorb“-Stent gelang ein Durchbruch in der Behandlung von Verengungen der Herzkranzgefäße. Seit einigen Monaten wird dieses medizinische Implantat auch in der Interventionellen Kardiologie am LKH Feldkirch eingesetzt, wie Michaela Sonderegger-Polster von der Kommunikationsabteilung der KHBG mitteilt.

Während in den 1970er-Jahren noch Operationen am offenen Herzen notwendig waren, um Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen zu behandeln, gibt es heute weit weniger eingreifende Methoden, um Engstellen dauerhaft offen zu halten. Die stetige Weiterentwicklung in diesem Bereich hat einen Durchbruch erzielt: einen Stent, der sich vollständig auflöst. Dieser wird wie sein Vorgänger, der Metallstent, in die verengten Herzkranzgefäße eingesetzt, bleibt aber nicht dauerhaft im Körper zurück.

Stent löst sich vollständig auf

Ein Stent ist eine Stütze, die in die Herzkranzgefäße eingepflanzt wird und somit die verengten Blutgefäße offen hält. Die aus Metall bestehenden Stents, die man sich wie kleine Metallröhrchen mit Gitter vorstellen kann, können seit geraumer Zeit auch Medikamente freisetzen, die helfen, die Verengungen zu lösen und somit die Engstelle dauerhaft offen zu halten. Dennoch bleibt dieser Metallfremdkörper lebenslang im Körper. Genau darin liegt nun der Vorteil des neuen Stents: Er ist bioresorbierbar, löst sich nach ein paar Jahren vollständig auf.

Der „Absorb“-Stent wird aus Polylactid hergestellt, ein Material, das auch für selbstauflösende Fäden verwendet wird. Somit löst sich das Implantat nach etwa zwei Jahren auf, hinterlässt keine Rückstände und die natürliche Gefäßfunktion wird wieder hergestellt. Besonders geeignet ist dieser Stent für Patienten unter 75 Jahren , die keine zu starken Verkalkungen der Gefäße aufweisen. Auch Diabetiker und jüngere Patienten mit drohendem Herzinfarkt zählen zu der Zielgruppe der Methode.

Zufriedene Patienten

Bei den ersten Patienten wurde der neue Stent bereits eingesetzt. Einer von ihnen ist Josef Friedl. Friedl bekam Mitte Juli die ersten zwei Stents der neuen Generation eingesetzt, in der vergangenen Woche den dritten. Mittels einer Punktion in der Leiste wurden die Stents über einen Herzkatheter bis zu den verengten Herzgefäßen geführt. Die Operation wurde bei örtlicher Betäubung durchgeführt und verlief sehr gut. „Ich habe mir das Ganze viel schlimmer vorgestellt. Ich war sehr überrascht, dass ich beim Eingriff nur den Einstich gespürt habe und auch das Krankenhaus so schnell wieder verlassen konnte. Beim zweiten Eingriff konnte ich sogar am Folgetag schon wieder heim“, erzählt der Patient.

„Durchbruch“

Auch Univ. Doz. Dr. Werner Benzer, Leiter des Instituts für Interventionelle Kardiologie am LKH Feldkirch, ist vom neuen medizinischen Implantat überzeugt: „Mit der Einführung des ,Absorb‘-Stents in die interventionelle Kardiologie gelang ein weiterer Durchbruch in der Behandlung von Engstellen in den Herzkranzgefäßen.“ Der „Absorb“-Stent sei die erste biologisch resorbierbare Gefäßstütze, die sich nach einiger Zeit komplett auflöst. „Dies gibt den Herzkranzgefäßen die Möglichkeit, ihre ursprüngliche Funktion im behandelten Gefäßsegment ungestört von einer dauerhaften metallischen Fixierung wieder zurückzugewinnen“, so Benzer.

Ich habe mir das Ganze viel schlimmer vorgestellt.

Josef Friedl, Patient