Sehschwäche bei Kindern bleibt häufig unbemerkt

Gesund / 06.09.2013 • 11:06 Uhr
Wurde bei Ihrem Kind eine Sehschwäche festgestellt, ist professionelle Beratung besonders wichtig.
Wurde bei Ihrem Kind eine Sehschwäche festgestellt, ist professionelle Beratung besonders wichtig.

Hier heißt es deshalb: Verhalten der Kinder genau beobachten; ein Arztbesuch verschafft Klarheit.

Schwarzach. (VN-sas) „Beinahe jedes dritte Schulkind sieht schlecht“, weiß Anton Koller, Fachgruppenobmann der Gesundheitsberufe Wien. Besonders jetzt zum anstehenden Schulbeginn hin ist das Thema aktuell. Leider verhält es sich oft so: Viele Kinder sehen schlecht, ohne dass es die Eltern überhaupt bemerken. Und den Kindern fällt es erst recht nicht auf, kennen sie doch gar kein anderes Seherlebnis.

„Ich erlebe immer wieder, dass Eltern ein schlechtes Gewissen haben, weil sie einfach nicht gemerkt haben, dass ihr Kind schlecht sieht und sich deshalb in allen Bereichen schwerer tut als seine Mitschüler“, spricht Koller aus Erfahrung.

Von wegen tollpatschig

Denn nicht nur der Lernerfolg kann unter der Sehschwäche leiden, „viele Kinder werden oft auch als tollpatschig und schwer von Begriff hingestellt. Das muss nicht sein“, will Koller betont wissen. Häufige Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Frust und Schulunlust können laut dem Experten die Folgen von unbemerkter Sehschwäche sein.

Reinhold Einwallner, Mitglied des Fachausschusses für Gesundheitsberufe in Vorarlberg und Optikermeister, kennt die Anzeichen von Sehschwächen bei Kindern: „Bei ganz kleinen Kindern ist es wichtig, ganz aufmerksam zu beobachten, ob das Kind kleine Gegenstände nur von der Nähe betrachtet oder etwa beim Ausmalen stark danebenmalt.“ Ist das Kind kurzsichtig, wird es alles recht nahe an die Augen halten bzw. nahe an Gegenstände herangehen. Leidet das Kind unter Weitsichtigkeit, wird es vielleicht besonders häufig über Gegenstände wie Möbel stolpern.

Besuch bei Facharzt wichtig

„Auch häufiges Zukneifen der Augen oder Augenbrennen können Indizien sein, die auf eine Sehschwäche hindeuten“, zählt Einwallner auf. In der Schule sollten die Lehrpersonen besonders darauf achten, ob den Kindern das Abschreiben von der Tafel Probleme bereite: „Sind die Kinder zu langsam oder lassen sie häufig Zeilen aus, besteht auch die Möglichkeit einer Sehschwäche.“

Bei solchen Verdachtsmomenten rät Einwallner zum Besuch beim Augenarzt. „Wichtig ist hier, dass man einen Facharzt aufsucht. Braucht das Kind eine Brille, sollte man sich fachlich bestens beraten lassen“, führt er aus. So sollte nicht nur die Größe optimal passen, „auch sollte die Brille möglichst bruchsicher sein“, rät Einwallner.

Rund 90 Prozent aller Sinneseindrücke werden über die Augen aufgenommen. „Werden Sehstörungen nicht rechtzeitig behandelt, kann dies zu bleibenden Sehschwächen und Koordinationsstörungen führen. Auch, wenn nach außen alles in Ordnung scheint, sollte unbedingt ein Sehtest gemacht werden: Es besteht die Möglichkeit, dass ein Auge schwach ist und das Kind gelernt hat, mit dem gesunden Auge auszukommen“, betont Koller.

Auch häufiges Zukneifen der Augen oder Augenbrennen können auf eine Sehschwäche hindeuten.

Reinhold Einwallner
Häufiges Zukneifen der Augen oder Augenbrennen? Bei Verdachtsmomenten sollte ein Facharzt aufgesucht werden.
Häufiges Zukneifen der Augen oder Augenbrennen? Bei Verdachtsmomenten sollte ein Facharzt aufgesucht werden.