Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

An Tagen wie diesen

Gesund / 23.08.2013 • 10:39 Uhr

Ja, es gibt tatsächlich Tage, die könnten unendlich dauern. Schöne Tage. Tage voller Freude und freudvoller Erlebnisse. Die Sekunden sollten zu Stunden werden, die Zeiger der Uhr sich keinen Millimeter bewegen. Man möchte die Welt, das Universum, alles anhalten. Und doch läuft die Zeit weiter. Unbarmherzig. Unerbittlich. Der Endlichkeit entgegen.

Das sind dann die Tage, von denen wünscht man sich, es hätte sie nie gegeben, es würde sie überhaupt nie geben. Diese Tage des Leids. Der Trauer. Tage, die einen zweifeln lassen. Tage, an denen nicht einmal die Sonne zu wärmen vermag. Tage, die kalt sind wie Eis. Die Herz und Seele gefrieren lassen. Tage, die sich ziehen. Unerträglich langsam. Die vermeintlich kein Ende nehmen wollen und es irgendwann doch tun. Gerade noch rechtzeitig, ehe man im Meer der Verzweiflung zu versinken droht.

Solche Tage kosten unendlich viel Kraft, weil sie den Blick auf das Licht trüben, das trotz allem noch da ist. Aber sie sind auch lehrreich. Sie lassen die Menschen wieder näher zusammenrücken. Sie machen nachhaltig begreiflich, dass Leben und Tod eine unkündbare Allianz bilden. Da können wir das noch so hartnäckig verdrängen. Die Tatsache bleibt. Nicht umsonst sagt der Volksmund, das einzig Sichere im Leben ist der Tod. Andererseits braucht es zuweilen wohl diese Dunkelheit. Weil wir die guten Tage vermutlich sonst nicht mehr als solche erkennen würden, weil sie dann selbstverständlich wären. Deshalb lassen wir der Zeit ihren Lauf. In guten wie in schlechten Tagen.

marlies.mohr@vn.vol.at