Tabu: Magersucht und Co. können auch bei reiferen Frauen vorkommen

Gesund / 16.08.2013 • 10:48 Uhr
Lebenskrisen können bei Frauen sehr leicht eine Essstörung auslösen. Foto: fotolia
Lebenskrisen können bei Frauen sehr leicht eine Essstörung auslösen. Foto: fotolia

Essstörungen werden meist noch als reine Pubertätskrankheiten angesehen.

Irrtum. Tatsächlich jedoch leiden auch immer mehr Frauen der Generation „50 plus“ an Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating. Das zeigt eine amerikanische Studie. Antrieb ist offenbar das gängige Schlankheitsideal und das Streben nach ewiger Jugend.

Wissenschafter der Universität in North Carolina haben mehr als 1800 Frauen der Zielgruppe „50 plus“ über ihre Einstellung zu Körpergewicht, Diätverhalten und Altern befragt. Dabei zeigte sich, dass das Körpergewicht für acht von zehn der Testpersonen eine wichtige Rolle spielt. Rund 70 Prozent der Frauen versuchen kontinuierlich abzunehmen. Davon unterzieht sich ungefähr jede Vierte regelmäßig einer Diät.

Kritische Betrachtung

40 Prozent der Frauen kontrollieren mehrmals pro Woche ihr Körpergewicht und betrachten ihren Körper täglich kritisch im Spiegel. Um nicht zuzunehmen oder um Gewicht zu reduzieren, greifen knapp 8 Prozent der über 50-Jährigen zu Diätpillen, rund 2 Prozent nehmen regelmäßig Abführmittel ein. 7 Prozent der Befragten treiben übermäßig viel Sport, um schlank zu bleiben. Weiters wurde deutlich, dass knapp 4 Prozent der Frauen an Ess-attacken leiden, 1 Prozent gibt an, sich nach Essanfällen bewusst zu übergeben und zirka 8 Prozent erbrechen generell absichtlich, um ihr Gewicht zu kontrollieren.

Schlank altern um jeden Preis?

In vielen Fällen hat sich das abnorme Essverhalten bereits in der Jugend manifestiert und zieht sich (oft unbemerkt) in spätere Lebensphasen hinein. Doch manchmal entstehen Essstörungen erst in den Wechseljahren. Mit zunehmendem Alter werden manche Frauen mit ihrem Äußeren unzufriedener und versuchen, ihre jugendliche Figur durch Diäten und Abnehmprodukte wiederzuerlangen. Doch der Lauf der Natur ist nicht aufzuhalten: Die Haut wird schlaffer, weibliche Rundungen werden mehr und die Fruchtbarkeit endet. Zudem stürzen familiäre Probleme wie Scheidung, Todesfälle oder die Abnabelung von den Kindern Frauen oft in zusätzliche Lebenskrisen, die sich in Essstörungen ausdrücken können.

Anzeichen ernst nehmen

Wichtig ist, dass Angehörige und Freunde die Essstörung der Betroffenen rechtzeitig erkennen, ernst nehmen und für Hilfe sorgen. Denn Mangelernährung kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen – vor allem bei älteren Menschen.

Tipps

Anzeichen für eine Essstörung können u. a. sein

» der Verzicht auf das Essen bei gemeinsamen Mahlzeiten,

» die Einteilung der Lebensmittel in „erlaubte“ und „verbotene“,

» panische Angst vor jeglicher Gewichtszunahme,

» ein sehr geringes Köpergewicht,

» eine überstürzte Gewichtsabnahme,

» ein geringes Selbstwertgefühl oder eine geringe Körperwertschätzung,

» Rückzug von Freunden, Familie und Partner.