Heilkräftige Schätze aus der Natur

Gesund / 21.06.2013 • 10:32 Uhr
Der Cubus in Wolfurt war beim Vortrag von Rudolf Pfeiffer fast voll besetzt. Der erfahrene Apotheker enttäuschte das Publikum denn auch nicht. Foto: Stiplovsek
Der Cubus in Wolfurt war beim Vortrag von Rudolf Pfeiffer fast voll besetzt. Der erfahrene Apotheker enttäuschte das Publikum denn auch nicht. Foto: Stiplovsek

Arzneilich genutzte Heilpflanzen sind heutzutage auch durch Studien gut untersucht.

Wolfurt. (VN-mm) Er könnte vermutlich stundenlang über Heilkräuter und deren Wirkung reden. Denn kaum einer kennt sich auf diesem Gebiet besser aus als Mag. pharm. Rudolf Pfeiffer. An seinem umfassenden Wissen ließ er auch die Mini-Med-Studenten teilhaben. Der Betreiber der Stadtapotheke Dornbirn schaffte es, den Cubus in Wolfurt zum Abschluss des Frühjahrssemesters noch einmal zu füllen. Und das trotz brütender Hitze.

Prägende Namen

Was heute an Medikamenten auf dem Markt ist hat seinen Ursprung zumindest teilweise noch aus Wirkstoffen, die die Natur zur Verfügung stellt. „Etwas anderes gab es damals ja nicht“, erklärte Rudolf Pfeiffer. Bekanntestes Beispiel ist das Aspirin, das früher aus dem Saft der Weidenrinde hergestellt wurde. Die alten Griechen hatten seine heilende Wirkung entdeckt. Sie waren zu ihrer Zeit führend in der Erforschung von Pflanzen als Mittel zur Heilung. Nicht umsonst gilt Hippokrates als Vater der Naturheilkunde.

Später prägten Namen wie Hildegard von Bingen, Paracelsus, auch bekannt durch den Spruch „Die Dosis macht’s, ob eine Arznei ein Gift“, Sebastian Kneipp und Johann Künzle die Geschichte der Heilpflanzen. So zählt das von Künzle verfasste Buch „Chrut und Uchrut“ immer noch zu den meistverkauften Druckwerken überhaupt.

Hohe Qualitätsansprüche

Die Entdeckung natürlicher Wirkstoffe beruhte auf Selbstversuchen. Heute sind arzneilich genutzte Heilpflanzen durch Studien gut untersucht. Rudolf Pfeiffer verwies außerdem auf die hohen Qualitätsansprüche, die solche Produkte zu erfüllen haben. Gemeinsam ist ihnen auch die weltweit einheitliche Bezeichnung. Offiziell gilt der lateinische Begriff. Die Verständigung darauf war erforderlich, weil eine Pflanze im Volksmund oft viele verschiedene Namen trägt.

Die Anwendung von Pflanzen, Blüten und Wurzeln in der modernen Medizin erfolgt in Form von Tees, Tinkturen, Cremen und Salben, Tabletten, Kapseln, ätherischen Ölen, Extrakten sowie als homöopathische Zubereitungen. Gefragt sind sie allemal. „Bereits jeder zweite Kunde greift auf heilpflanzliche Mittel zurück“, so die Erfahrungen des Apothekers. Der dann ins Detail ging. Bittermittel etwa sind gut für die Verdauung.

Immunstärkende Wirkung

Ihr Vorzug: Sie wirken schon beim Kontakt mit der Mundschleimhaut. Gewonnen werden sie unter anderem aus Wermut, Enzian und Löwenzahn. „Beim Enzian wird am häufigsten der Gelbe Enzian verwendet“, erläuterte Rudolf Pfeiffer. Das Tausendguldenkraut wiederum ist seine tausend Gulden bei Übelkeit sowie Magen-Darm-Infekten wert. Bei Nerven- und Schlafstörungen können Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume und Johanniskraut das vegetative Nervensystem auf sanfte Art wieder ins Gleichgewicht bringen. Aufpassen heißt es laut Fachmann beim Johanniskraut, da dieses den Abbau gewisser Medikamente verzögern kann. Ebenfalls Nebenwirkungen zeitigt die Traubensilberkerze. Es können Leberfunktionsstörungen auftreten. Aufgrund ihrer östrogenähnlichen Wirkung kann sie jedoch bei Wechseljahrbeschwerden helfen.

Die pflanzlichen Stars bei Erkältungskrankheiten sind Thymian, Spitzwegerich und der Sonnenhut. Letzterem wird auch eine immunstärkende Wirkung zugeschrieben. Die Studien dazu sind zwar widersprüchlich. „Aus meiner Erfahrung kann ich die kräftigenden Effekte jedoch bestätigen“, so Pfeiffer. Allerdings sollte das Präparat nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. „Eine Woche Pause dazwischen einlegen“, lautete der Rat des Fachmanns. Als „bestes Mittel“ bei Bronchitis pries Rudolf Peiffer den Speik-Lavendel an.

Hilfreich bei Burn-out

Blase, Nieren und Prostata können von Bärentraube, Goldrute, Brennnessel und Kürbiskernen profitieren. Der Weißdorn empfiehlt sich als Herzmittel, die Mariendistel bei Lebererkrankungen, wobei die Wirkstoffe nur im Samen vorkommen. Noch relativ neu im Reigen der Heilpflanzen ist der Rosenwurz. Dabei handelt es sich um ein Dickblattgewächs, das sich als sehr hilfreich bei Burnout-Zuständen erwiesen hat. „Jede Art von Stress wird besser ausgehalten“, berichtete der Apotheker.

Auch oligomere Procyanidine (OPC) haben sich ob ihrer positiven Wirkung etabliert. Sie gelten als die beste Waffe gegen die freien Radikalen, die sich im Körper bilden. Auch eine krebshemmende Wirkung wurde bereits beobachtet. Oligomere Procyanidine kommen in vielen Pflanzen vor, zum Beispiel in Traubenkernen, der Schale und dem Laub roter Trauben, in den roten Häutchen von Erdnüssen, in Kokosnüssen, Ginkgoblättern, Äpfeln, Lärchenholz und in der Rinde der Strandkiefer.

Das beste Mittel bei Bronchitis ist der Speik-Lavendel.

rudolf pfeiffer