Geleitete Selbsthilfe ist erfolgversprechend
Bulimie. Rund 200.000 Österreicherinnen erkranken einmal im Leben an einer Essstörung, aber nur sechs Prozent begeben sich in die Betreuung einer psychiatrischen Einrichtung. Eine aktuelle Studie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien zeigt, dass ein Therapie-Erfolg bei Bulimie auch über geleitete Selbsthilfeprogramme im Internet möglich ist.
Am Beginn einer Bulimia nervosa (BN) steht oft eine Diät, aus der die überwiegend jungen Frauen in ein krankhaftes Essverhalten schlittern. „Das Diäthalten kann zu Heißhungerattacken führen, die Mädchen erleiden einen Kontrollverlust und essen ungehemmt. Als kompensatorische Maßnahmen führen die jungen Frauen absichtlich Erbrechen herbei oder versuchen mit Hilfe von Abführmitteln, der Gewichtszunahme entgegenzusteuern. Ein Teufelskreis“, so Irmgard Wagner, die mit Andreas Karwautz die aktuelle Studie geleitet hat.
In der im British Journal of Psychiatry erschienenen Studie, die gemeinsam mit der Parkland-Klinik in Bad Wildungen (Deutschland) durchgeführt wurde, wurde an 155 Patientinnen die Wirksamkeit der geleiteten Selbsthilfe über das Internet-Programm „Salut BN“ mit dem mehrfach evaluierten Selbsthilfebuch „Die Bulimie besiegen“ verglichen.
Das Resultat: Die Erfolgsquote ist gleich hoch. Unmittelbar nach der sieben Monate dauernden Selbsttherapie waren beim Internet 46 Prozent und beim Buch 48 Prozent der Patientinnen in Remission, das heißt, die Symptome hatten deutlich nachgelassen. Die Quote blieb auch bei der Follow-Up-Untersuchung 18 Monate später stabil. Wagner: „Bei einer Face-to-Face-Therapie ist die Erfolgsrate ähnlich.“