Bakterien als Krebsauslöser?

Gesund / 07.06.2013 • 10:07 Uhr
Die Impfung gegen humane Papilloma-Viren (HPV) ist ein großer Fortschritt in der Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen.
Die Impfung gegen humane Papilloma-Viren (HPV) ist ein großer Fortschritt in der Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen.

Mini Med Studium befasst sich mit der Frage, ob Krebs eine Infektionskrankheit ist.

Wolfurt. (VN-mm) Eine Impfung gegen Krebs? Viele würden sich das wohl wünschen. In manchen Fällen ist es auch schon möglich. Leberkrebs etwa kann durch eine Impfung gegen Hepatits B aktiv beeinflusst werden. Auch die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist ein Fortschritt. Dabei stellt sich die Frage, ob Krebs überhaupt eine Infektionskrankheit darstellt. Immerhin werden jährlich rund zwei Millionen Krebserkrankungen durch Infektionen verursacht. Zum derzeitigen Stand der medizinischen Dinge informiert der Bregenzer Frauenfacharzt Dr. Hans Concin beim Mini Med Studium am Mittwoch, 12. Juni, im Cubus in Wolfurt.

Verdächtige Bakterien

Die erste Impfung gegen Krebs war jene gegen Hepatitis B. Mit 350 Millionen chronisch infizierten Menschen stellt Hepatitis B die häufigste Virusinfektion dar. „Und sie kann Leberkrebs verursachen“, erklärt Hans Concin. Wenngleich Hepatitis C, ausgelöst durch das Hepatitis-C-Virus, die häufigste Ursache für Leberkrebs ist. Im Gegensatz zu Hepatitis C kann gegen Hepatitis B geimpft und Leberkrebs damit durchaus reduziert werden.

Andere Bakterien stehen ebenfalls im Verdacht, an Krebsentwicklungen beteiligt zu sein. So etwa der Helicobacter pylori. „Es handelt sich um ein Bakterium, das im Magen eine chronische Infektion auslösen kann und in der Folge auch das Magenkrebsrisiko um das Fünffache erhöht“, so Concin. Das Übel ist aber häufig mit einer antibiotischen Behandlung erledigt. Insgesamt geht das Magenkarzinom stark zurück. „Das wird in erster Linie der besseren Qualität unserer Lebensmittel zugeschrieben“, weiß der Experte. Salmonellen wiederum werden mit Gallenblasenkrebs in Verbindung gebracht, Streptokokken mit Dickdarmkrebs und Chlamydien mit Lungenkrebs. Auch sogenannten Mykoplasmen hängt der Verdacht an, verschiedene Krebserkrankungen zu fördern.

Krebsfördernde Potenz

Viren wird ebenfalls eine krebsfördernde Potenz zugeschrieben. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) etwa gehört zur Gruppe der Herpes-Viren. Laut Hans Concin gilt es heute als sicher, dass eine Infektion zur Entstehung von B-Zell-Lymphomen führen kann. Ein Herpesvirus, nämlich das HHV-8, unterstützt maßgeblich die Bildung des Kaposi-Sarkoms. Ein anderes Virus kann bei Erwachsenen eine lymphatische T-Zell-Leukämie auslösen. Aids-Patienten wiederum haben aufgrund des geschwächten Immunsystems ein gesteigertes Risiko für bösartige Erkrankungen der weißen Blutkörperchen und Kaposi-Sarkome. In den letzten Jahren sind zudem humane Papillomaviren (HPV) als Auslöser zahlreicher Krebserkrankungen erkannt worden. In Europa sind HPV-Viren für jährlich 23.000 Gebärmutterhalskrebse, 14.000 Kopf-Hals-Tumore, 4400 Krebserkrankungen im Bereich des Afters, 3700 bösartige Veränderungen der äußeren Scham und der Scheide sowie 1000 Peniskarzinome verantwortlich. Weiters führen Papilloma-Viren bei über 620.000 Personen jedes Jahr zur Entstehung von (gutartigen) Genitalwarzen.

Plädoyer für HPV-Impfung

Die Einführung der HPV-Impfung hat, so Concin, in Ländern mit einer hohen Impfrate zu einem dramatischen Abfall der Genitalwarzen geführt. „Außerdem zeigen sich schon deutliche Tendenzen, dass Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses rückläufig sind.“ Es sei zu erwarten, dass im selben Ausmaß in Zukunft auch die entsprechenden Krebserkrankungen abnehmen. Besonders im Gebärmutterhalsbereich kann die HPV-Impfung die Entstehung von Krebsvorstufen reduzieren und somit auch die Notwendigkeit einer Konisation, bei der ein Gewebekeil aus dem Muttermund entfernt wird. Dieser in Österreich jährlich 6400 Mal durchgeführte Eingriff steigere das Risiko einer späteren Frühgeburt.

Nach vielen Millionen Impfungen weltweit würden alle großen nationalen Gesundheitsbehörden die Sicherheit und Wirksamkeit der HPV-Impfung bestätigen. Concin bedauert, dass in Österreich die Kosten noch nicht von den Sozialversicherungen übernommen werden. In Vorarlberg bezahlt das Land seit Februar einen Teil der hohen Aufwendungen.

Mini Med

Ist Krebs eine Infektionskrankheit? – Kann man dagegen impfen?

» Referent: Dr. Hans Concin, FA für Frauenheilkunde in Bregenz

» Termin: 12. Juni 2013, Cubus Wolfurt

» Beginn: 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr, Eintritt frei