Innerer Schwachpunkt

Gesund / 12.04.2013 • 10:34 Uhr
Das Thema Magenerkrankungen stieß auf großes Interesse bei den Mini-Med-Studenten. Fotos: vn/hofmeister
Das Thema Magenerkrankungen stieß auf großes Interesse bei den Mini-Med-Studenten. Fotos: vn/hofmeister

Desolater Muskel zwischen Speiseröhre und Magen verursacht Unannehmlichkeiten.

Wolfurt. (VN-mm) Ob sich denn der kleine Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen nicht wie andere Muskelgruppen trainieren lasse, wollte ein Mini-Med-Besucher wissen. Doch bei dieser Frage musste OA Dr. Paul-Gerhard Peters passen. Zwar würden sich auch die Ärzte wünschen, dass dem so wäre, weil viele ihrer Patienten dann weniger Probleme hätten. Aber von dieser Möglichkeit ist die Medizin noch weit entfernt, wenn sie überhaupt jemals dahin kommt. So bleibt bei einer Refluxerkrankung nur die medikamentöse Behandlung. Die gute Botschaft: Neue Medikamente bringen bessere Heilungsraten.

Probe aufs Exempel

Bei einer Refluxerkrankung liegt ein Schaden in der Speiseröhre vor, bedingt durch Rückfluss von Säure aus dem Magen. Der wiederum wird von einem kleinen, quasi undichten Muskel am Ende der Speiseröhre verursacht. Zu einer Schwächung dieses Muskels können Medikamente, wie zum Beispiel solche gegen Bluthochdruck, aber auch Nahrungs- und Genussmittel beitragen, so etwa Alkohol, Fett und Süßes.

Da verwundert es kaum, dass nur wenige noch nie in ihrem Leben an Sodbrennen gelitten haben. Paul-Gerhard Peters, Internist im LKH Feldkirch, machte beim Mini Med Studium die Probe aufs Exempel und ließ jene Zuhörer aufzeigen, denen Sodbrennen fremd ist. Lediglich ein paar Finger gingen in die Höhe. Tatsächlich plagen etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung Refluxbeschwerden. Bei 5 bis 7 Prozent sind sie so ausgeprägt, dass die Lebensqualität leidet. Bei einer Untersuchung der Speiseröhre lassen sich jedoch oftmals kaum Unterschiede zwischen milden und stärkeren Veränderungen ausmachen. „Das erschwert mitunter die Diagnose“, so Peters. Dazu kommt ein breites Spektrum an Symptomen. Reflux-erkrankungen können sich auch in Erbrechen, Schluckstörungen und Schmerzen hinter dem Brustbein äußern. Fast 20 Prozent der Patienten leiden gar an gänzlich anderen Beschwerden: Asthma, Reizhusten, Bronchitis oder Zahnschäden. Laut Aussage des Gastroenterologen ist die Zahl der Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Der Trend dürfte sich fortsetzen.

Warnhinweise beachten

Warnhinweise, die eine ärztliche Abklärung rechtfertigen, sind starke Schmerzen im Oberbauch, Schluckprobleme, Blutarmut und ungewollter Gewichtsverlust. Auch eine Reflux-Symptomatik, die sich nicht bessert, sollte nochmals untersucht werden. Neben der Diagnose mittels Endoskop besteht die Möglichkeit der Säuremessung. Dabei kommt ein Gerät zum Einsatz, das über 24 Stunden den Säuregehalt in der Speiseröhre misst. „Wir wenden das an, wenn endoskopisch nichts feststellbar ist oder keine eindeutigen Symptome vorliegen“, erklärte Dr. Paul-Gerhard Peters.

Schnellere Heilung

Die Therapie besteht aus der Verabreichung von säurehemmenden Medikamenten. Wobei die neue Generation von Blockern gleich hochdosiert verabreicht wird. Die Vorteile sind eine kürzere Behandlungsdauer, schnellere Heilung und Schmerzbekämpfung, zufriedenere Patienten und geringere Kosten. Außerdem sei die Heilungsrate höher, ließ der Internist das interessierte Publikum wissen. Ohne Behandlung sind Rückfälle bei der Reflux-erkrankung allerdings vorprogrammiert. Besonders, wenn die Speiseröhre schon geschädigt ist.

OA Dr. Paul Gerhard Peters wusste die Thematik gut zu erklären.
OA Dr. Paul Gerhard Peters wusste die Thematik gut zu erklären.