Das Gehirn kann sich an die Angst gewöhnen

Gesund / 01.03.2013 • 10:50 Uhr
Angststörungen können künftig besser behandelt werden – die Dunkelziffer der Betroffenen ist sehr hoch. Foto: bb/Wodicka
Angststörungen können künftig besser behandelt werden – die Dunkelziffer der Betroffenen ist sehr hoch. Foto: bb/Wodicka

Sozialphobiker haben im ganz normalen Alltag mit allerlei Ängsten zu kämpfen.

Angst. (VN) Angst ist eine überlebensnotwendige Schutzfunktion vor möglichen Gefahren. Im Fall einer Angststörung wird diese positive Wirkung außer Kraft gesetzt: Sozialphobie-Patienten ängstigen sich vor ganz normalen, sozialen Situationen im Alltag, weil sie fürchten, sich unpassend zu verhalten oder von anderen für dumm gehalten zu werden.

Wissenschafter vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik und der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien haben nun herausgefunden, dass dieses Angstnetzwerk zumindest teilweise deaktiviert werden kann. In der aktuellen Studie von Ronald Sladky unter der Leitung von Christian Windischberger wurden mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie die Änderungen der Gehirnaktivität von Sozialphobie-Patienten und gesunden Probanden gemessen, während sie Gesichter betrachteten.

Umgehung von Gehirnregionen

Dieses Experiment simuliert die soziale Konfrontation mit anderen Menschen, ohne die Person tatsächlich in eine für sie unerträgliche Angstsituation zu bringen. Die dauerhafte Konfrontation mit der Testaufgabe führte bei den Angstpatienten nicht nur dazu, schneller eine Lösung für das „Problem“ zu finden, sondern auch dazu, dass manche Gehirnregionen umgangen wurden, die sonst krankheitstypisch überaktiviert waren. Sladky: „Daher liegt der Schluss nahe, dass es auch im Emotionsnetzwerk von Sozialphobikern funktionierende Regulationsstrategien gibt, wenngleich es bei diesen Menschen etwas länger dauert, bis diese Mechanismen greifen. Die Fehlregulation dieser Gehirnteile kann also zu einem Teil kompensiert werden.“

Diese Erkenntnisse könnten der Anstoß zur Entwicklung von personalisierten Trainingsprogrammen sein, die den Betroffenen im Alltag helfen, die unangenehmen Situationen besser zu meistern. In Österreich sind jährlich rund 200.000 Personen von einer Sozialphobie betroffen. Die Dunkelziffer dürfte aber sehr hoch sein, da viele Betroffene aufgrund ihrer Angst nicht oder erst zu spät fachkundige Betreuung suchen.