Ganze Männer
Es gibt Menschen, die können irgendwie alles. Sie sind fit am Computer, wechseln Glühbirnen im Handumdrehen, schlagen Nägel in Wände, ohne sich blaue Finger einzuhandeln, bewältigen jede sportliche Herausforderung und stehen auch am Herd ihren Mann bzw. ihre Frau. Dieses Profil eines Universalgenies ist ja nicht geschlechterabhängig.
Dann gibt es noch die mit den zwei linken Händen. Also jene, die zuweilen sogar ein schlichter Wasserhahn zur Verzweiflung treibt. Obwohl: Für manche Armaturen wäre eine Gebrauchsanweisung durchaus zweckmäßig. Denn so einfach wie damals bei Muttern spielt sich das oft nicht mehr. Ja, früher, da war noch alles klar am Waschtisch. Rechts der Drehknopf für kaltes, links der für warmes Wasser. Heute darf man sich schon glücklich schätzen, wenn das edle Stück über ein winziges blaues und rotes Pünktchen verfügt. Um nicht gänzlich auf der Seife zu stehen, sozusagen.
Wiewohl man dann allerdings noch wissen muss, in welche Richtung die mehr oder minder filigranen Hebel zu drehen, zu ziehen oder zu rollen sind, damit sich in Sachen Wasser etwas tut. Da haben mitunter eben auch gestandene Mannsbilder so ihre Probleme.
Aber ich mag sie, diese Herrschaften mit weichem Kern in der gestählten Brust. Die über sich und ihre drollige Tollpatschigkeit lachen können ohne dabei verschämt zu wirken oder gar rot zu werden. Ganz schön männlich, würde ich persönlich meinen. Ja, und das mit dem vermaledeiten Wasserhahn hat er schließlich doch noch hinbekommen.
marlies.mohr@vn.vol.at
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