Nur Gutes!
„Die Mitte verschwindet, alles ist nur noch extrem gegensätzlich!” Was man landauf, landab permanent über unseren politischen Diskurs hört, ist kürzlich von Soziologen widerlegt worden. Die Sozialforscher Thomas Lux von der Berliner Humboldt-Universität und Martina Zandonella vom Meinungsforschungsinstitut Foresight stellten bei der Langzeitbetrachtung von anerkannten Daten zu unserer Gesellschaft fest, dass es beispielsweise in Deutschland „in den vergangenen dreißig Jahren keine zunehmende Polarisierung” gegeben habe. In manchen Themen blieb die gesellschaftliche Kluft gleich, in anderen Bereichen verheilten die Wunden, wie bei Diskussionen über Sexualität und Geschlecht. Einzelne Themen würden derart hochgekocht, dass der mitunter trügerische Eindruck von unüberbrückbar verfeindeten Lagern entstehe. Doch das stimme nicht: Eigentlich gäbe es genügend Möglichkeiten, Kompromisse zu bilden.
„Only bad news are good news.” Wie oft habe ich den vom Gegenüber verständnisvoll gemeinten Satz gehört, wenn es um den Berufsstand der Journalisten ging. Der Satz ist nicht richtig: Mit ausschließlich negativen Nachrichten lässt sich auf Dauer keine Begeisterung für ein Medium entfachen. Natürlich: Schlechtes schlägt sich wesentlich stärker in unserem Gehirn nieder, prägt sich stärker ein. Wir geben negativen Reizen stets den Vorzug, was der Evolution geschuldet ist. Wer sich mehr auf das Gefährliche konzentrierte, hatte größere Chancen, zu überleben. So verbreiten sich auch heute – sei es im echten Leben oder in den angeblich sozialen Netzwerken – schlechte Nachrichten viel schneller als gute.
„Ned gschimpft isch gnuag globt”, heißt es auch in Vorarlberg, wenn etwas schon ziemlich perfekt ist. In der VN-Redaktion lebt das ständige Bemühen, die gute Nachricht zu entdecken. Noch schwerer als schlechte Nachrichten sind nämlich gute Nachrichten aufzuspüren!
Das neue Jahr 2024 liegt vor uns wie ein unbeschriebenes Blatt. Es liegt an uns Menschen, die Geschichte dieses Jahres zu schreiben. Die VN-Redaktion will zum Beginn des neuen Jahres 2024 einen positiven Schwerpunkt setzen. Mit „Good News” halten Sie eine ganze Zeitung mit ausschließlich guten Nachrichten in Händen.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben für 2024 von ganzem Herzen alles erdenklich Gute. Stellen wir das Verbindende vor das Trennende. Die Mär von der „polarisierten Gesellschaft“, die nichts mehr miteinander zu tun haben will, ist wissenschaftlich widerlegt.
Herzlichst, Ihr
„Noch schwerer als schlechte Nachrichten sind nämlich gute Nachrichten aufzuspüren!“
Gerold Riedmann
gerold.riedmann@vn.at
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Twitter: @gerold_rie
Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.
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