„Musste Zunge mit Gewalt herausholen”

Samer Baldawi würde nicht mehr leben, hätte er nicht Pascal Kleber als seinen Schutzengel gehabt.
Egg Es geschah am helllichten Tage des 20. August vergangenen Jahres. Ein Fußballspiel wie Hunderte andere im ganzen Land. FC Egg 1c gegen den FC Lustenau 1c. Heiß war es an diesem Tag. Es lief die Schlussphase in der Junkerau. Da passierte es. FC-Lustenau-Stürmer Samer Baldawi stürmte auf das gegnerische Tor. Gleichzeitig stürmte der Egger Goalie aus seinem Gehäuse, mit Blick auf den Ball. Mit gebeugtem Knie prallte der Torhüter ungebremst in den syrischen FC-Angreifer. Samer blieb bewusstlos am Boden liegen. Sofort war klar, dass er seine Zunge verschluckt hatte.
Zunge verschluckt
„Ich habe am Nebenplatz meine 1b-Mannschaft beim Aufwärmen betreut. Wir hatten gleich danach unser Match. Ich bin der Trainer unserer Mannschaft“, erzählt Pascal Kleber (30). „Plötzlich wurde ich ausgerufen. Ich solle sofort für einen Rettungseinsatz zum Hauptplatz kommen, hieß es.“
Pascal Kleber ist hauptberuflicher Rotkreuz-Mann mit viel Erfahrung. Und diese Erfahrung rettete Baldawi das Leben. „Ich erkannte, dass Samer die Zunge verschluckt hatte. Gewöhnlich lässt sich die bei richtiger Lagerung des Patienten problemlos wieder herausholen. Doch bei ihm war es anders. Die Zunge war wie vekrampft und nicht zu mobilisieren. Ich musste mit roher Kraft und zwei Fingern alles daransetzen, sie herauszuholen. Was mir mit viel Mühe gelang. Ich möchte sagen, dass mich bei all den Maßnahmen auch ein Zivildiener toll unterstützt hat“, lässt Egger die dramatischen Ereignisse des 20. August Revue passieren.
„Danke, danke, danke“
Ein knappes halbes Jahr später sehen sich Geretteter und Schutzengel im Klubhaus des FC Egg wieder. Voller Bewunderung starrt Samer Baldawi mit großen Augen auf seinen Lebensretter. „Danke, danke, danke“, sagt er immer wieder und umarmt den Rotkreuzler. „Ich wäre nicht mehr hier, wenn es dich damals nicht gegeben hätte.“
Samer will sich für das Rückspiel in Lustenau etwas für Pascal einfallen lassen. Das von den VN organisierte Treffen zwei Tage vor Weihnachten hat ihn nun früher mit seinem Lebensretter zusammengebracht und umso mehr gefreut. Die Bilder von damals kommen ihm schemenhaft wieder hoch. „Ich habe registriert, dass da ein Hubschrauber kommt. Aber es ist alles verschwommen.“
Samer spielt wieder Fußball
Kleber bestätigt: „Samer war nicht wirklich wieder voll bei Bewusstsein. Und doch auch beschränkt ansprechbar.“ Seine heldenhafte Rettungstat will der bescheidene 30-Jährige nicht hochstilisieren. „Das ist doch mein Job“, sagt er achselzuckend und mit einem Lächeln im Gesicht. Ein paar Gedanken dazu äußert er trotzdem. „Was, wenn da nicht gleich ein kundiger Retter vor Ort und auch die Notfall-Infrastruktur nicht so gut ist wie in Egg?“ Sowohl Samer als auch er wollen das gar nicht zu Ende denken.
Der 31-jährige Syrer, Vater eines kleinen Sohnes, spielt mittlerweile wieder Fußball. Acht Tore habe er als Flügel bereits geschossen. Das Match um sein Leben hat Samer dank Pascal schon lange vor Meisterschaftsende gewonnen.
