Heizt uns Facebook & Co. in Zukunft auch noch ein?

SERVERWÄRME Wann immer wir „googeln“ oder sonst im Internet surfen, setzen sich große Rechner in Bewegung. Diese Server brauchen nicht nur enorm viel Strom sondern produzieren Hitze – deshalb müssen sie ständig abgekühlt werden, wobei wiederum Energie benötigt wird. Die Wärme verpufft dabei meist als Abfallprodukt. Ein Start-Up-Unternehmen aus Dresden mit dem treffenden Namen „Cloud&Heat“ hat sich diesen Vorgang zunutze gemacht und eine Art Cyber-Heizung entwickelt. Ihre Server-Schränke können nicht nur rechnen, sondern auch Häuser beheizen.
Ein gewünschter Doppeleffekt
Das Unternehmen hat einen Server-Schrank entwickelt, in dem sich Wasser bis auf 60 Grad Celsius erhitzt. Dazu wird kaltes Wasser in den Server-Schrank geleitet. Durch feine Kanälchen fließt es ganz dicht an den heißen Prozessoren entlang. Dabei setzt der gewünschte Doppeleffekt ein: Das Wasser kühlt den Server und wird gleichzeitig erwärmt. Das erhitzte Wasser wird danach in einen Pufferspeicher geleitet und so nutzbar gemacht.
Eine dieser Cyber-Heizungen kann bis zu drei energieeffizient gebaute Einfamilienhäuser mit Wärme und Warmwasser versorgen. Ein Schrank mit zehn bis 16 eingebauten Servern würde reichen, um ein Haus mit 150 Quadratmetern zu beheizen. Voraussetzung dafür ist aber eine sehr gute Wärmedämmung des Gebäudes sowie ein schneller Internetanschluss. Das ganze System reduziert die CO2-Emission um etwa 50 Prozent, damit leistten die Anlagenbesitzer auch einen Beitrag zum Klimaschutz.
Was derzeit eher noch wenige Freaks begeistert, könnte in Zukunft tatsächlich eine sinnvolle Energie-Nutzung der Zukunft werden. Denn grundsätzlich kann die Abwärme nicht nur Ein- und Mehrfamilienhäuser, sondern auch komplette Kommunen mit Wärme versorgen.
Wärme für 7000 Häuser
Der amerikanische Konzern Facebook errichtet derzeit beispielsweise auf 50.000 Quadratmeiter ein Riesen-Datencenter in der dänischen Stadt Odense. Wenn das Rechenzentrum einmal fertiggestellt ist und unter Volllast läuft, lassen sich jährlich etwa 100.000 Megawattstunden Energie durch die Wärmerückgewinnung nutzen. Die so zurückgewonnene thermische Energie wird anschließend in die Fernwärmenetze eingespeist und reicht aus, um etwa 7000 Haushalte mit Wärme zu versorgen. „Es ist erstaunlich, denn jedes Mal, wenn wir Bilder unserer Haustiere, unserer Familie und was auch immer auf Facebook veröffentlichen, wird Wärme erzeugt, die unsere Häuser heizen“, freut sich der Bürgermeister der dänischen Stadt. Das Rechenzentrum umfasst 176 Kühlgeräte.
Vor Facebook haben bereits andere Firmen und Anbieter von Rechenzentren ihre Abwärme in Fernwärmenetze eingespeist.