Geschichte aufgezeigt

Nenzinger Scheibenstuhl erhält drei neue Schautafeln.
Information Knapp über Nenzing-Beschling verbirgt sich auf einem großen bewachsenen Plateau ein geschichtlich und archäologisch höchst bedeutsamer Ort – der Scheibenstuhl. „Das muss früher einmal ein normaler Hügel gewesen sein, der dann aber abgetragen wurde, um den Ort besser verwenden zu können“, vermutet der Nenzinger Gemeindearchivar Thomas Gamon. „Befunde belegen dabei, dass sich da in einem Zeitraum von knapp 1700 Jahren gesellschaftliches Leben abgespielt haben muss“ – wobei die Forschung auch hier bereits ihre Schlüsse gezogen hat.
„Nach den archäologischen Grabungen von 1942–44 von Adolf Hild, dem Direktor des Landesmuseums, dachte man, dass es sich beim Scheibenstuhl um ein eisenzeitliches Dorf handelt, umgeben von einem hohen und in sich geschlossenen Wall“, sagt Gamon.
Da damals kaum Häuserreste gefunden wurden, wurden in den Jahren von 2005–08 von der Fa. Ardis im Auftrag der Gemeinde neue Grabungen durchgeführt. „An der nördlichen Spitze fanden sich zwei große Gruben, in denen sehr viele zerkleinerte Tierknochen und Asche begraben wurden, was den Verdacht aufbrachte, dass der Scheibenstuhl ein Brandopferplatz gewesen sein musste.“
Auf jeden Fall sei er seiner Größe wegen sicher ein bedeutender Ort für die gesamte Region gewesen. „Den Scheibenstuhl muss man sich als eine Art sakraler Bezirk vorstellen“, erzählt Gamon. So weisen die Mauerreste des Walls darauf hin, dass der Bereich früher abgegrenzt war.
Nach den Grabungen von 2008 wurde zusammen mit verschiedenen Universitäten ein Symposium mit Fachleuten zu diesem Thema organisiert und ein Buch gemeinsam mit der Universität Innsbruck mit dem Titel „Brandopferplätze in den Alpen – Der Scheibenstuhl in Nenzing“ herausgegeben.
Dem Gemeindearchivar ist aber schon lange ein Dorn im Auge, dass immer wieder Raubgräber mit ihren Sonden dort unterwegs sind und so bedeutendes Kulturgut zerstören. Nicht umsonst steht dieser Platz unter Denkmalschutz, der in Wien beschlossen wurde, was seine Bedeutung für die gesamte Region unterstreicht.
Vor Kurzem konnten nun beim Nenzinger Scheibenstuhl drei neue große Infotafeln angebracht werden, die interessierten Besucher auf die Besonderheiten der historischen Stätte hinweisen sollen.
Die Tafeln wurden dabei von dem Nenzinger und in Wien sesshaften Archäologen Martin Gamon gestaltet.