Weichenstellung in der Propstei St. Gerold

Extra / 03.06.2020 • 14:17 Uhr
Pater Reichlin verlässt das Walsertal in Richtung Einsiedeln. KRS
Pater Reichlin verlässt das Walsertal in Richtung Einsiedeln. KRS

Mit Sommer 2020 verlässt Pater Kolumban die Propstei.

St. Gerold Pater Kolumban wird ab Sommer 2020 seine Gesamtverantwortung als Propst der Propstei St. Gerold an seinen Nachfolger Martin Werlen übergeben. Die VN trafen sich mit dem scheidenden Verantwortlichen zu einem Interview.

Die Covid 19-Pandemie hat auch die Propstei St. Gerold fast zur Gänze zu einem erzwungenen Stillstand gebracht. Wie ist die aktuelle betriebliche Situation und bis wann ist mit einer Öffnung der beliebten Gastronomie zu rechnen?

Reichlin Aktuell werden die Pferde betreut und die nötigsten administrativen Pendenzen erledigt. Der Großteil der Mitarbeitenden aber ist in Kurzarbeit. Wir werden den Beherbergungs- und Gastrobetrieb am Sonntag, 21. Juni, wieder öffnen.

Wird der Tagesgast und der Nächtigungsgast die Propstei St. Gerold künftig etwa in einer veränderten Form erleben beziehungsweise soll oder muss sogar eine veränderte touristische und kulturelle Ausrichtung angedacht werden?

Reichlin Der Gast wird mit den notwendigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen konfrontiert werden. Ansonsten aber sind keine Veränderungen geplant, auch nicht in Bezug auf die Ausrichtung. Ich gehe davon aus, dass der Seminarbetrieb weniger empfindlich auf die Covid 19-Situation reagieren wird als der Urlaubstourismus; der Großteil unserer Übernachtungsgäste sind Seminargäste.

Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen und der Umbau der Propstei wurde mit Anerkennung und Lob bedacht. Die letzte Bauphase ist bislang aber noch nicht umgesetzt. Welche Bautätigkeiten sind noch offen und welche Zeithorizonte sind hierfür angesetzt?

Reichlin Vom geschätzten Kostenvolumen ist rund die Hälfte der geplanten baulichen Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen bzw. kurz vor Umsetzung. Im September 2020 beginnen umfassende Sanierungs- und Adaptierungsmaßnahmen im Therapeutischen Reitbetrieb. Planung und Finanzierungssicherung sind in der finalen Phase. Die bauliche Umsetzung wird dann David Ganahl übernehmen. Ausstehend sind dann noch das historische Hauptgebäude, das voraussichtlich in zwei Etappen saniert werden wird, der „Riegelbau“, das Mitarbeiterhaus der Propstei, der sogenannte „Wyberhustrakt“ mit Seminarraum und Hallenbad sowie die Kirche und die Gnadenkapelle außen. Die erste Sanierungsphase im historischen Propsteigebäude wird wohl im Herbst 2021 erfolgen. Die Umsetzung der weiteren Etappen wird von der Finanzierungssicherung abhängen.

Ein personeller Wechsel in Ihrer jetzigen Führungsfunktion ist bereits angekündigt. Was wünscht der scheidende Propst dem nachfolgenden Pater Martin Werlen?

Reichlin Ich wünsche meinem Nachfolger viel Inspiration und Freude.

Im August geht es für Sie wieder zurück in das Kloster Einsiedeln. Welche bleibenden Eindrücke nimmt man da nach einer elfjährigen Tätigkeit im Reisegepäck mit in die Heimat?

Reichlin Viele: Engagierte Mitarbeitende, interessante Gäste, die besondere Propstei-Oase, die faszinierende Natur – vor allem der einmalige Blick von der Gaßner Alpe ins Großwalsertal und auf den Walgau mit dem Rätikon – sowie ein vielschichtiges, spannendes und lehrreiches Arbeitsfeld. KRS