Krisenmanagement statt Ruhestand

Amtszeit von Bürgermeister Gottfried Brändle unfreiwillig verlängert.
Bürgermeister Eigentlich hätte alles ganz anders kommen sollen. Nach über 25 Jahren als Gemeinde-oberhaupt von Altach war der Weg in die Pension für Gottfried Brändle bereits vorgezeichnet. Brändle hat auf eine erneute Kandidatur verzichtet, und der Wahltermin 15. März stand bereits seit Wochen fest. Doch dann kam die Coronavirus-Pandemie – und von einem Tag auf den anderen veränderte sich alles. Der Langzeitbürgermeister dachte keine Sekunde mehr an seinen Rücktritt – obwohl er zu diesem Zeitpunkt sein Büro an sich bereits ausgeräumt hatte –, sondern schaltete sofort zurück in den Arbeitsalltag: Krisenbewältigung statt Pension war angesagt, und Brändle wurde gleich sofort voll gefordert.
Bereits am Tag nach der abgesagten Gemeindewahl wurde nämlich ein Corona-Fall im Altacher Sozial-zentrum bekannt – eine Pflegerin war positiv getestet worden. Unverzüglich galt es, zusammen mit der Geschäftsführung und mithilfe des Landes den Pflegebetrieb abzusichern, umzustellen und vor allem eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern – was mit einer einzigen Ausnahme auch gelang. Nun, ein paar Wochen später, scheint das Gröbste vorerst abgewendet worden zu sein, insgesamt gab es in der Gemeinde neun positive Fälle. „Gott sei Dank sind aber alle wieder genesen“, zeigt sich Brändle sichtlich erleichtert.
Zurück ins Tagesgeschäft
Nun stürzt sich Brändle bis zu einer Neuansetzung der Gemeindewahlen wieder ins reguläre Tagesgeschäft und kümmert sich um zahlreiche in Planung bzw. Umsetzung befindliche Projekte. Neben der Modernisierung des Bahnhofs, die bereits in vollem Gange ist, und dem Neubau des Kindergartens im Kreuzfeld – dessen Planungen weitestgehend abgeschlossen sind – gibt es genügend andere Vorhaben, die in naher Zukunft Form annehmen sollen. Bereits im Herbst sollen die Vorbereitungen für den Architekturwettbewerb für das neue Dorfzentrum angegangen werden. Hier plant man vorerst einen Neubau des Gemeindeamts anstelle der heutigen Raiffeisenbank. Diese soll ebenso mit in das Gebäude ziehen wie ein weiterer bunter Mix aus Handel und Dienstleistungen. Nach Abschluss der erforderlichen Hochbauten soll das Zentrum in eine verkehrsberuhigte Begegnungszone umgebaut werden. Stichwort Verkehr: Das mithilfe von Bürgerbeteiligung und Befragung erstellte Mobilitätskonzept befindet sich ebenfalls bereits in Umsetzung.
Lösungen für Kiesabbau
Bleibt noch das Thema Kies. Nachdem sich bei der Volksabstimmung im vergangenen Herbst eine Mehrheit für das Projekt Kiesabbau beim Sauwinkel ausgesprochen hat, liegt nun auch der nötige positive behördliche Bescheid vor. Vorerst gilt es aber noch die nötigen Fristen für das Einspruchsrecht der Nachbarn abzuwarten. Nichtsdestotrotz sucht man bereits ein Ersatzgrundstück zur Entschädigung für den betroffenen Landwirt. Sollte das Landesverwaltungsgericht dem gemeinsamen Protest von Altach und Hohenems gegen einen geplanten Grundstücks-erwerb in der Nähe der Kläranlage stattgeben, wäre auch dieses Problem gelöst. Bleiben noch Verhandlungen mit der Marktgemeinde Götzis in Sachen finanzielle Aufteilung sowie mit dem Verkehrsministerium bezüglich des Autobahnanschlusses im Bereich der Raststätte Rosenberger. Hierzu laufen, wie Brändle mitteilt, intensive Bemühungen unter Einbindung von Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und eines Expertenbüros.
Was für Bürgermeister Brändle in diesem Jahr mit Sicherheit auf der Strecke bleibt, ist der geplante Urlaub, aber auch das sieht er mit dem nötigen Humor: „Das wäre dieses Jahr so oder so eher schwer möglich gewesen.“ CEG