“Pferd wird falsch aufgezäumt”

Extra / 09.11.2017 • 19:47 Uhr
Unternehmer Norbert Zimmermann (Berndorf AG) ist überzeugt: „Österreich hat zu wenig Millionäre.“
Unternehmer Norbert Zimmermann (Berndorf AG) ist überzeugt: „Österreich hat zu wenig Millionäre.“

Unternehmer Norbert Zimmermann ist genervt vom wöchentlichen Millionärsbashing.

Bregenz „Österreich hat zu wenig Millionäre“, sagt Norbert Zimmermann. Der gebürtige Bludenzer hat das Motto für seinen Vortrag bewusst als kleine Provokation gewählt. Als er das Thema aussuchte, war allerdings noch unklar, wo die politische Reise in Österreich hingeht. „Ich hätte eigentlich auf rot-blau gewettet“, sagt Zimmermann. Jedenfalls ist der Unternehmer genervt vom Millionärsbashing, wie der Aufsichtsratsvorsitzende der Berndorf AG es nennt. Millionäre seien für viele nicht fassbar und daher per se böse. Das sei entmutigend für jeden, der gerne etwas erreichen möchte.

Umkehr schaffen

„Wir sollten den Spin in eine andere Richtung bekommen. So dass derjenige, der es zu etwas gebracht hat, positiv bewertet wird und nicht schlechtgemacht wird“, sagt Zimmermann. Momentan werde das Pferd nämlich falsch aufgezäumt. Es gebe eine Neiddebatte, es werde umverteilt anstatt wertgeschöpft. Sicherlich müsse man auf Chancengleichheit schauen, aber zugleich auch Innovation und Investitionstätigkeiten hochhalten. Und: Gegen diese Neiddebatte anzukämpfen heiße zugleich auch, dass Einkommen nicht mit 40 Prozent belastet werden. Vielmehr sollte man Mitarbeitern die Möglichkeit einräumen, sich an Unternehmen zu beteiligen. „Eine Kluft entstehen zu lassen zwischen den einen und den anderen, die uns alles wegnehmen, führt letztlich zu nichts“, so der Unternehmer, der im Jahr 1988 im Rahmen eines Management-Buy-out die Mehrheit an Berndorf erwarb und das Unternehmen zu einem internationalen Technologie-Mischkonzern umbaute. Heute ist er Hauptaktionär und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Berndorf AG und der Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG.

Faymanns Marketingidee

Die Stimmung umgeschlagen habe hier eindeutig nach der Finanzkrise. „Das war eine Marketingidee von Kanzler Werner Faymann und hat dann eine Eigendynamik entwickelt“, bemerkt Zimmermann. Insgesamt habe das zu einer diffusen Debatte und zu einem undifferenzierten Bild geführt. „Vermögen ist ja oft Firmenvermögen. Das ist nicht gestohlen, sondern hart erarbeitet. Darauf sollte man eigentlich stolz sein und Millionäre haben deshalb ein sauberes, faires Urteil verdient“, betont Zimmermann, der auch musikalisch unterwegs ist. Die Formation „Swinging Leaders“ tritt seit ihrer Gründung regelmäßig bei Wohltätigkeitsveranstaltungen auf. Soziales Engagment ist Zimmermann generell wichtig.

Soziale Verantwortung

Dem Neid entgegenzuhalten, bedeutet für ihn nämlich auch, als Unternehmer soziale Verantwortung zu übernehmen. Als Millionär in die Politik sei keine gute Idee. Wenn Geld Macht ausübt oder sogar die Demokratie untergräbt, sei das bedenklich, so Zimmermann. Beispiele dafür gibt es ja genug. Vielmehr gehe es um soziales Engagement. Microsoft-Gründer Bill Gates sei hier ein perfektes Beispiel. Auch die Berndorf Stiftung kümmert sich um viele Projekte im sozialen, kulturellen sowie im Bildungsbereich. Unter anderem um Projekte von Pater Georg Sporschill „Ein erklecklicher Teil unserer Erträge fließt somit zurück an die Gesellschaft. Wenn das jeder machen würde, wäre wahrscheinlich auch das Gejammere schnell aus“, ist sich der gebürtige Vorarlberger sicher.

Zur Person

Norbert Zimmermann

Aufsichtsratsvorsitzender Berndorf AG

Geboren 13. April 1947 in Bludenz

Ausbildung HAK-Matura, Studium Wirtschaftsuniversität Wien

Laufbahn Tätigkeit bei IBM und Spar, seit 1986 Berndorf-Geschäftsführer, seit 2008 Aufsichtsratsvorsitzender

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Zu wenig Millionäre

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