Berufe, die in Zukunft gefragt sind: Techniker, Dienstleister, Handwerker

Extra / 26.03.2015 • 23:21 Uhr
Technische Berufe sind zukunftssicher und eine Option für Frauen und Männer.
Technische Berufe sind zukunftssicher und eine Option für Frauen und Männer.

Die Arbeitslosenzahlen sind auf einem Allzeithoch. Welche Berufe sind krisensicher?

Schwarzach. (VN) Gefeit ist man wahrscheinlich in keinem Beruf von Arbeitslosigkeit, doch man kann die Chancen, ein Arbeitsleben lang beschäftigt zu sein, erhöhen, wenn man den Arbeitsmarkt genau beobachtet. Das hat auch das Wiener Synthes is-Institut gemacht, und zwar im Auftrag der Vorarlberger Arbeiterkammer.

Welche Berufe sind es also die die besten Zukunftschancen versprechen? Braucht es immer öfter ein Hochschulstudium, damit man ein entsprechendes Einkommen erzielen kann?

Antworten auf diese Fragen liefert eine Studie, welche die Arbeiterkammer Vorarlberg bei der Wiener Synthesis-Forschung im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat. Es ist die bislang umfangreichste und einzige Studie mit dem Fokus auf Vorarlberg. Fazit: Karriere mit Lehre ist auch weiterhin möglich – von den definierten 122 Zukunftsberufen setzen 82 eine Lehrausbildung voraus. Technische Berufe und Dienstleistungsberufe im Bereich IT nehmen neben kaufmännischen Berufen eine zentrale Stellung ein. „Ein Ergebnis, das uns insgesamt positiv stimmt“, sagt Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle zu der Studie, fügt aber gleich hinzu: „Es braucht die richtige Bildung und begleitende Maßnahmen – vor allem für Jugendliche und die Generation 50+.“

Lehre oder Schule?

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden demnach im Ländle besser sein als im übrigen Österreich, allerdings haben auch in Vorarlberg die Arbeitslosenzahlen stärker zugenommen, als von Wirtschaftsforschern prognostiziert. Studienautor Wolfgang Alteneder von Synthesis relativiert: „Es wird zwar mehr Arbeitsplätze geben, auch das Arbeitskräfteangebot wird wachsen.“

Die größte betriebliche Nachfrage nach Arbeitskräften ist bis zum Jahr 2017 im Dienstleistungssektor zu erwarten. So wird es im Handel zusätzliche Stellen geben, bei einem erheblichen Teil wird es sich allerdings um Teilzeitarbeit handeln. Rund drei Viertel des Beschäftigungswachstums im Handel wird auf Frauen entfallen. Auch in der Sachgüter­erzeugung werden neue Arbeitsplätze geschaffen – vor allem in den Bereichen Metall, Maschinenbau und in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln. Grundsätzlich gilt: Das Beschäftigungswachstum von Frauen konzentriert sich auf den Dienstleistungssektor, für Männer ergeben sich hingegen stärkere Chancen im Produktionsbereich.

Die Arbeitsplatzlandschaft in Vorarlberg ist geprägt von der zentralen Position der warenerzeugenden Produktionsbereiche (9 Prozent über Österreichschnitt). Trotz der ausgeprägten Konjunktursensibilität, die aus dem extrem hohen Exportanteil resultiert, ist es diesen Betrieben gelungen, den Wachstumseinbruch rund um das Jahr 2009 gut zu überstehen. Es ist zu hoffen, dass sie auch die derzeitige Konjunkturdelle wieder ausgleichen. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit, die neben innovativen Produkten auch von der Qualifikation und Motivation der Beschäftigten getragen wird, bringt jedenfalls auch in einem schwierigen Umfeld gute Chancen.

Belegschaften altern

Während es im Prognosezeitraum immer mehr Menschen im erwerbsfähigen Alter gibt, verschiebt sich die Altersstruktur deutlich. Während die Zahlen von Personen im Berufseinstiegsalter (-1300) und Haupterwerbsalter (-2400) abnehmen, wird es bis 2017 zu einem deutlichen Anstieg jener Personen kommen, die sich im letzten Drittel ihrer Erwerbslaufbahn befinden. „Für uns ergibt sich daraus, dass es künftig für ältere Arbeitnehmer spezielle Rahmenbedingungen geben muss“, zieht AK-Präsident Hubert Hämmerle seinen Schluss daraus. Alters- und altersgerechte Arbeitsplätze gehören da ebenso dazu wie eine neue Behaltekultur oder das gerade diskutierte Bonus-Malus-System für die Generation 50+, das von der Wirtschaft als nicht praktikabel kritisiert wird. „Aber auch Jugendliche sowie Berufseinsteiger brauchen unsere Unterstützung. Wir können es uns einfach nicht leisten, dass wir junge Menschen aufgrund von mangelnder Bildung verlieren“, ist sich Hämmerle sicher.

Diese Einschätzung teilt auch AMS-Landesgeschäftsführer Anton Strini: „Bereits seit Jahren ist am Vorarlberger Arbeitsmarkt feststellbar, dass die Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskräften zurückgeht, während der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften zunimmt. Das macht ungelernte Arbeitskräfte wesentlich anfälliger für Arbeitslosigkeit.“ Ungelernte Kräfte sind in Vorarlberg demnach zweieinhalb Mal häufiger arbeitslos als Lehrabsolventen und mehr als fünf Mal häufiger als Absolventen von berufsbildenden Schulen oder noch weiterführenden Ausbildungen. Dementsprechend verfüge ein großer Teil der aktuell arbeitslos vorgemerkten Personen über keine über die Pflichtschule hinausgehende Berufs- oder Schulbildung. Als Konsequenz gelte es, ausreichende und bedarfsgerechte Qualifizierungsmaßnahmen zu setzen.

Bildung verbessert Chancen

Prinzipiell gilt für den Vorarlberger Arbeitsmarkt ein klarer Zusammenhang zwischen Bildung und Arbeitsmarktchancen. „Mit einem guten Bildungsabschluss verbessern sich die Beschäftigungs- und Einkommenschancen und verringert sich das Arbeitslosigkeitsrisiko“, erklärt Hämmerle. Neben dem Niveau der Ausbildung hat aber auch die Wahl des Berufsfeldes erhebliche Auswirkungen auf Beschäftigung und Entlohnung. „Mich freut, dass Karriere mit Lehre im Ländle nach wie vor kein bloßes Schlagwort ist, sondern dass sich mit einer dualen Ausbildung vielmehr sehr gute Beschäftigungschancen ergeben“, stellt Hämmerle fest.

Daraus würden sich aber auch Maßnahmen und Forderungen ergeben. Einerseits für das Schulsystem, aber auch für das duale Ausbildungssystem bzw. für die berufsbegleitende Weiterbildung. Defizite im Bereich des sinnerfassenden Lesens und grundlegende Kenntnisse in Mathematik, die im Rahmen der Schulausbildung nicht vermittelt werden konnten, gelte es im Rahmen der Lehrausbildung oder berufsbegleitend auszugleichen. Eine Fachausbildung im zweiten Bildungsweg nachzuholen, wird an Bedeutung gewinnen. Für ältere Beschäftigte gilt es, durch berufsbegleitende Weiterbildung fit für den anspruchsvollen Arbeitsmarkt zu bleiben.

Wichtige Initiativen

Jugendliche und ältere Arbeitnehmer – für diese beiden Gruppen setzt auch das Arbeitsmarktservice wichtige Initiativen. So fördern die Produktionsschulen Jugendliche, die schulisch noch aufholen müssen, um in eine Lehrausbildung einsteigen zu können. Im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Vorarlberg können junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, eine Ausbildung bis zum Lehrabschluss absolvieren, und im Projekt „Chance“ können erwachsene Arbeitslose eine Lehre nachholen.

Gebaut wird immer – Polier ist ein Beruf mit Zukunft.
Gebaut wird immer – Polier ist ein Beruf mit Zukunft.

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