Körnige Kostbarkeit

EINFACH GENIESSEN / 29.02.2024 • 13:37 Uhr
Körnige Kostbarkeit

Als wir bei Richard Dietrich in Lauterach ankommen, steht dieser bereits an einer riesigen Eisenpfanne. Es duftet nach gebratenen Zwiebeln, Kartoffeln, Pilzen und jener traditionellen Zutat, deren Name seit jeher untrennbar mit der Tätigkeit des Anbratens und Auseinanderstocherns verbunden ist: dem Riebel.

Bevor wir uns lange über Sutterlüty’s Rheintaler Riebelmais unterhalten, müsst ihr ihn erst mal probieren!“, begrüßt uns Herr Dietrich und hält uns je eine Gabel hin. „Wobei, ich hab mir gedacht, ich servier’ euch den Riebel als ‚Duranand‘.“ Während wir uns über die überraschende Neuinterpretation des Ländle-Klassikers hermachen, werden Erinnerungen wach. An die Erzählungen unserer Großeltern, die zur nächstgelegenen Mühle geschickt wurden, um wieder einen Sack Körner mahlen zu lassen. „Früher gab es das Sprichwort: Zwölf Mal Riebel, dann ist wieder Sonntag“, reißt uns Richard Dietrich aus unseren Gedanken. „In Zeiten, in denen Fleisch noch ein Luxusgut war, war der Riebelmais in der Selbst­versorgung wichtig.“

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Vom Gemeingut zur Rarität
Im Rheintal spielt der Maisanbau seit jeher eine bedeutende Rolle. 350 Jahre lang war er für die Selbstver­sorgung enorm wichtig. „Den Riebelmais hätte man damals nie und nimmer im Laden kaufen können, vielleicht von einer Mühle direkt oder im Tausch gegen andere Waren“, erzählt Herr Dietrich. „Interessant ist, dass das Ländle bis zum Jahr 1955 keine anderen Maissorten kannte als jene, die wir heute in Kleinarbeit wieder vermehren. Der weiße Riebelmais war damals Standard.“ Dann kam mit dem vermeintlichen Fortschritt der amerikanische Hybridmais: gelb in der Farbe, ertragreicher und standfester. Es war nur eine Frage der Zeit, bis unsere Maissorten fast von der Bildfläche verschwunden waren.

Händische Vermehrung
Wir lassen ein paar Mais­kolben durch unsere Hände gleiten, vom letzten „Türgga Brätscha“ im Oktober. Richard Dietrich: „Von jeder Maisernte behalten wir 2000 Kolben zurück, die fast zur Gänze von den umschließenden Blättern befreit werden. Nur zwei dieser Lieschen lassen wir dran. Damit werden die Kolben zusammengebunden und zum Trocknen unter dem Vordach aufgehängt.“ Das ist durchaus ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem jede helfende Hand gefragt ist. Das wache Auge kommt erst später ins Spiel, wenn die getrockneten Kolben gesichtet und eventuell fremdbestäubte Körner aussortiert werden. „Die Arbeit ist entsprechend aufwändig, aber sie lohnt sich.“ Nur die schönsten weißen Körner der trockenen Kolben werden mithilfe einer alten Schwungrad-Maschine abgerebelt.

Körnige Kostbarkeit

Vom Feld ins Säckle
Am Weg vom Feld zum fertigen Sutterlüty’s Rheintaler Riebelmais ist weit weniger Handarbeit im Spiel. Richard Dietrich: „Als ich mit meinen Partnern die Riebelmais­produktion aufbaute, hatten wir eine Reihe von Hürden zu nehmen. Die erste lag schon in der Wahl einer dafür geeigneten Mühle. Da sind wir den Weg über die Grenze in die Schweiz gegangen.“ Ende Oktober fährt der Mähdrescher also die gesamte weiße Maisernte ein und bringt sie nach St. Margrethen, wo der Mais innerhalb eines Tages getrocknet und gereinigt wird. Die Vermahlung erfolgt dann ebenfalls in der Stricker Mühle in Grabs. „Diese Mühle hat den großen Vorteil, dass sie den hochwertigen, aber auch stark ölhaltigen Maiskeimling mitverarbeiten kann“, freut sich der engagierte Sutterlüty’s Lieferant. Nach der Vermahlung kommt der Riebelmais nach Lauterach, wo er in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Vorarlberg abgefüllt wird.

Langsam zu den Wurzeln
Unglaublich, welcher Aufwand hinter der Wiederbelebung vom Rheintaler Riebelmais steckt. Richard Dietrich verweist auf die bäuerlichen Wurzeln seiner Familie. „Es gehört schon viel Enthusiasmus dazu, den Weg zum Ursprünglichen zu gehen. Das lässt sich wirtschaftlich auch kaum kalkulieren, noch dazu, wo ich meinen Riebelmais-Partnerbetrieben mehr als den dreifachen Preis von Hybridmais zahle. Aber Lebensmittel mit Qualität sollten uns allen etwas wert sein.“ Das befindet auch die Internationale Slow Food Stiftung, die den Riebelmais als eines von 15 österreichischen Produkten in ihre Arche des Geschmacks aufgenommen hat. Arche-Produkte müssen außergewöhnlich im Geschmack und regional verankert sein, aus nachhaltiger Produktion stammen, gentechnikfrei sein und selten vorkommen. Lauter Kriterien, die voll auf Richard Dietrichs Beitrag zur Sutterlüty’s Produktpalette zutreffen. So viel Philosophie hinter einem einfachen Säckle Riebel? Wir sind nicht nur geschmacklich überzeugt und versprechen, nächstes Jahr beim „Türgga Brätscha“ den einen oder anderen Beitrag zur Saatgutvermehrung zu leisten. Erhältlich im Sutterlüty Ländlemarkt.

Bilder: Sutterlüty/Christian Kerber

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