Kleine Wolfgang-Kapelle in Gatschief

Seit Jahrhunderten wird der Hl. Wolfgang in dieser Kapelle verehrt.
Bludenz Im Innerbrazer Ortsteil Gatschief steht – ungefähr auf Höhe des Bahnhofs Hintergasse – am Talboden auf einer freien Wiese eine Kapelle, die dem Hl. Wolfgang geweiht ist. Das kleine Gotteshaus, das sich in der Nähe eines großen Bauernhauses befindet, wurde möglicherweise bereits im späten 17. Jahrhundert errichtet. Jedenfalls ist es im frühen 18. Jahrhundert schon urkundlich erwähnt. Als in der Zeit der josephinischen Kirchenreformen im Zuge der Pfarrregulierung zahlreiche Kapellen und Nebenkirchen gesperrt wurden, findet im Jahr 1782 in den Quellen auch die Wolfgang-Kapelle Erwähnung, deren Vermögen damals mit bescheidenen 20 Gulden angegeben wird.

Der kleine rechteckige Sakralbau hat nur eine südseitige Rundbogenöffnung, wo ein schmiedeeisernes Gitter den Blick in den kleinen Innenraum mit einem schlichten Holzaltar freigibt. Darüber trägt ein mit grobem Putz versehenes Tonnengewölbe das mit Ziegeln gedeckte Satteldach. Auf dem First befindet sich ein Dachreiter mit einem kleinen Satteldach, unter dem auch eine Glocke hängt, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in die Kapelle zurückgeführt wurde.
In der kleinen Wegkapelle, die mit unregelmäßigen Steinplatten ausgelegt ist, fallen sofort mehrere Heiligenfiguren auf. In zentraler Position über dem Altar steht eine spätgotische Figur des Patrons der Kapelle, des Hl. Wolfgang. Er ist mit zwei Attributen (Hacke und Kirche) eindeutig zuzuordnen, wobei Darstellungen mit einer Hacke in unserer Region eher selten sind. Normalerweise wird der ehemalige Bischof von Regensburg nämlich mit dem Bischofsstab in seiner Rechten gezeigt. Die bei dieser Figur vorhandene Hacke verweist auf die Legende, die im Zusammenhang mit der Gründung der Kirche St. Wolfgang am gleichnamigen See im Salzkammergut entstanden ist: Während eines Aufenthalts in seinem Kloster in Mondsee soll Bischof Wolfgang damals einem alten Brauch gefolgt sein und eine Hacke geworfen haben, um ein neues Gebiet in Besitz zu nehmen und darauf eine Kirche zu errichten. Darauf weist auch das zweite Attribut der Statue hin, die Kirche, die er in der anderen Hand hält.
Flankiert wird der Hl. Wolfgang von zwei wahrscheinlich von einem Rosenkranzaltar stammenden Skulpturen, die auf der einen Seite dem Hl. Dominikus und auf der anderen der Hl. Katharina von Siena zuzuordnen sind. Sie stammen genauso aus barocker Zeit wie die an der linken Seite stehende Figur des Auferstandenen, die allerdings noch etwas älter sein dürfte. Unmittelbar vor dem Altar befindet sich noch ein Kruzifix. Eine weitere kleine Statuette steht über dem Zugang zur Kapelle in einer Nische unter dem Vordach; sie stellt den Evangelisten Johannes dar.
Die Kapelle ist seit vielen Jahren im Privatbesitz der Familie Wehinger, die auch regelmäßig mit Pflanzen und Blumen für entsprechenden Schmuck sorgt. Kerzenständer sowie einfache Holz- und Metallfiguren, die Engel darstellen und wohl von Privatpersonen, die den Heiligen um Hilfe ersucht haben, aufgestellt wurden, findet man auf beiden Seiten des Altars. OS