Abrahams Söhne

Leserbriefe / 19.04.2026 • 13:43 Uhr
Abrahams Söhne

Der ehemalige Intifada-Kämpfer Scheich Khalid und der jüdische Siedler Rabbi Shaul gründeten nahe Betlehem „Roots“, einen jüdisch-palästinensischen Begegnungsort zum Kaffeetrinken, für jüdisch-palästinensische Frauenrunden und Kinderfreizeitangebote. Für Khalid war Israel sein Erzfeind. Seine Familie war Teil der ersten Intifada und in israelischen Gefängnissen. Ein israelischer Soldat erschoss seinen Bruder. Khalids Hass war grenzenlos. Dann baten Juden seine Familie besuchen zu dürfen. Nach erster Ablehnung stimmte seine Familie zu. Es kamen jüdische Eltern, die ihre Kinder durch palästinensische Terroranschläge verloren hatten. Sie hörten seiner Familie zu und teilten ihren gemeinsamen Schmerz. Es ging um Versöhnung. Das hat die Palästinenser sehr berührt. Khalid beschloss dem Hass abzuschwören. Gemeinsam mit Rabbi Shaul baute er einen Begegnungsort. Er sagt: Wir sind zwei Völker mit zwei Geschichten darüber, wie Gott uns in dieses Land geführt hat. Jeder glaubt nur seine sei die richtige, aber im persönlichen Kontakt wird sie zur gemeinsamen Geschichte. Shaul meint: Juden und Araber sind eine gottgeschaffene Realität und beide sollten ein Zusammenleben ermöglichen. Religion ist Teil des Problems und muss auch Teil einer Lösung sein. Nach ihrer Versöhnung im Bruderkonflikt (Bibel) begruben Ismael (Araber) und Jakob (Juden) gemeinsam ihren Vater Abraham. So können auch ein ehemaliger Intifada-Kämpfer und ein jüdischer Siedler sich versöhnen.

Dr. Wolfgang Hämmerle, Lustenau