Leserbrief: Krippenplatz-Feminismus

Leserbriefe / 06.04.2026 • 15:00 Uhr
Leserbrief: Krippenplatz-Feminismus

Wir lesen regelmäßig über den Mangel an Kinderbetreuungsplätzen. Aber sind Kinderbetreuungsplätze nicht ein feministischer Versuch, Frauen von traditionellen Rollenbildern zu befreien? Dadurch fühlen sich junge Mütter, die auch heutzutage freiwillig Hausfrauen sind, diskriminiert. Der Krippenplatz-Feminismus behandelt sie wie Rückständige. Sie werden finanziell diskriminiert und die Arbeitswelt wird zum eigentlichen Ort der Emanzipation erklärt. Familienpolitik wird zur Wirtschaftspolitik. Emanzipation bedeutet Macht und Karriere für Frauen. Fragt diese Politik primär nach dem Wohl der Kinder, der Familie oder nach dem Wohl der Frauen selbst? Frauen und Männer werden zum Humankapital degradiert. Mama und Papa gehen müde ins Büro, die Kinder werden extern betreut, bis auch sie eines Tages müde ins Büro gehen. Sie sind jetzt eine genderkonforme Familie, ein vorläufiger Verbund von Individuen, die jeweils ihre eigene Verwirklichung suchen. Totalitäre Bewegungen wie Nationalsozialismus, Kommunismus, auch Sozialismus haben schon versucht, die Verbindung Vater-Mutter-Kind(er) aufzubrechen, um in diesen Schutzraum mit ihrem politischen Programm hineinzukommen. Der Philosoph Adorno sagte: “Die Ehe ist die letzte Form der Subversion im Zeitalter des Warentausches.” Inzwischen scheint das Aufbrechen in Westeuropa erfolgreich zu sein. Ehe und Familie sind Gegenstand verschiedener politischer Programme zur Optimierung und Ökonomisierung. Aber kann der Preis dieser individuellen Selbstverwirklichung nicht auch Einsamkeit der Betroffenen sein?

Dr. Wolfgang Hämmerle, Lustenau